Kategorie-Archiv: Deutschland aktuell

Schon wieder Verkaufsdreck mit Bund Mi. 159

 Bund Mi. 159 auf Brief-Ausland: Schrott!

Im April dieses Jahres nahm sich der Autor knifflige Stücke aus der Nachkriegszeit vor, darunter auch ein Stück aus der mittlerweile gängig gewordenen 1.-Liga-Ware von Bund, 50er Jahre. Den Sondermarken dieser Zeit eignet bekanntlich der Nimbus des Werthaltigen. Das ist berechtigt, daran hat sich prinzipiell bis heute auch nichts geändert. Mögen die Marktpreise für lose Stücke – postfrisch, gestempelt/gepr. BPP – aus bekannten Gründen in den letzten Jahren teils erschreckend gefallen sein, ändert das für den ernsthaften, phila-geschichtsbewußten Sammler an der hervorragenden Aura dieser frühen Bund-Neuheiten nichts.

Viele  Jahrzehnte waren die Marken aus diesen zehn Jahren mit ihrer teils sehr geringen Auflage begehrt, für viele Sammler mit wenig Taschengeld damit bis in die 60er Jahre schier unerreichbar. Was dann ein mieser, krimineller Dreckshandel jahrelang auszunutzen verstand, indem er entfalzte und/oder nachgummierte hochpreisige Katalognummern jenes Jahrzehnts mit blumigen Worten als „postfrisch“ unterpreisig in den Markt schleuste und mit leider leichtem Dummenfang massenhaft loszueisen verstand. Zum Glück sind seit einigen Jahren in den Markenkatalogen die fraglichen Katalognummern mit einer Raute gekennzeichnet  (da hat sie ihren Sinn und ist sie bildlich überzeugend!!!): Wer diese Marken heute noch BPP-ungeprüft erwirbt und bei nachmaliger Prüfung (und Verstreichen der Umtauschfrist) als (teil-)verfälscht attestiert bekommt,  ist selber schuld.

„Auf Brief“ wurden in Sonderheit die Hochwerte der Zuschlagsmarken viele Jahrzehnte lang dem Sammler als „Satzbrief“ schmackhaft gemacht. Sie wurden als das  Nonplusultra gepriesen. Die Freude, so einen – meist überfrankierten, „echt gelaufenen“ – Beleg zu besitzen, möglicherweise noch vom Erstverkaufstag der Markenneuheiten,  war allenthalben und für lange Zeit dominant.  Wer so etwas als „Auflockerung der Markensammlung“ besaß (ein hübscher, aber schon immer abseitiger Werbespruch des Handels), wurde beneidet.  Bis ein eigenständiges, postgeschichtliches Denken in der Philatelie einsetzte. Es verlangte Portorichtigkeit der Frankatur und es achtete auf den vielfältig wirksamen Sammlereinfluß solcher Sendungen, der nicht selten in „Mache“, wenn nicht noch Schlimmeres endete. Und dieses neue Wissen stellte Einzelfrankaturen und Mehrfachfrakturen in den Fokus. Das ist bis heute so und daran wird sich auch nichts mehr ändern. Denn dieses Frankaturen sind grundsätzlich seltener als Mischfreimachungen aller Art.

Die auftauchenden Begriffe „Bedarfsbrief“, „Bedarfsverwendung“, „Bedarfsfrankatur“ waren jedoch nicht neu, sie gab es in verstärkter Nutzung  schon seit den 30er Jahren, als wache Sammler begannen, das Sammelgebiet „Deutsches Reich Inflation 1916-1923“  mit bis heute gedeihlicher Energie in „echt INFLA“ und in den Schund aus Mache und vor allem Stempelfälschungen zu separieren.

Dieser oben gezeigte Brief ist Bedarfspost. Die klugerweise mit weichem Bleistift vermerkte Anmerkung (li.u.)  über die (für einen Auslandsbrief 20g richtige) Portohöhe stört nicht, man kann sie überdies mit einem weichen Radiergummi entfernen. Doch das ist nur eine Petitesse. Denn natürlich muß des Sammlers Augenmerk auf dem abgeschlagenen Tagesstempel liegen.

Der zeigt genügend Kennzeichen einer Echtheit. Was bei seinem „Inhalt“ auch logisch ist! Denn das enthaltene Stempeldatum liegt wie bei der Meldung im vergangenen April außerhalb der Postgültigkeitsphase. Es zeigt als Jahr zweifelsfrei „54“. Die Postgültigkeit des 1952 erschienenen Wohlfahrtssatzes (Mi. 156/59) endete jedoch am 31. Dezember 1953. Abgesehen von den für diesen Spitzenwert mißlichen Zahnverkürzungen (re.o.; untere Zähnungsreihe 7. Zahn, Bildvorlage!), die den Ebay-Verkaufspreis in Höhe von 59,95 € rechtfertigen könnten  (Normalpreis um die 100 bis 120 Euro), ist der Beleg NICHT sammelfähig in einer Sammlung, die portorichtige, echte Bedarfsstücke aufnehmen will. Und das strebt ja wohl jeder Bedarfspostsammler an! Der Beleg gehört aussortiert und in den Müll – er ist nichts wert und damit auch keine  59,95 Euro!

Der Anbieter (100% positive Bewertungen, 966 an der Zahl)  beschreibt seine Ware so:  „Bund EF Mi-Nr. 159 1954 Grossenried nach Österreich – einwandfrei“.

Der Autor hat im gutem Willen diese „1954“ in der Titelzeile erst gar nicht „wahrgenommen“, sondern sich gleich den Beleg akribisch vorgenommen. Der Anbieter, den Ebay als

Verkäufer mit Top-Bewertung:
  • Einer der besten eBay-Verkäufer

listet, schreibt also selber „1954“.  Das ist man doch baff! So viel Top und dann nicht mal im Besitz von Katalogminimalkenntnissen sein. Das ist wirklich top!

Noch diese Anmerkung: Während von den 30ern der Vorgängerserien 1949 und 1951 (Mi. 120, 146) bislang nur selten Stempelfälschungen (bei allerdings viel Mache) bekannt wurden, scheint für den 1952er Höchstwert angesichts weiterer unschöner Erfahrungen die „Echtheitslage“ auf Brief prekär zu sein!

                                                                                                               Philatelie-Digital 8-2020

Termine in Zeiten der Corona-Epidemie

    Markenmesse Essen: Ohne sie geht es einfach nicht!

Wie gemeldet, wurden die beiden Essener Großveranstaltungen, die Int. Briefmarkenmesse Essen 2020 und die Weltausstellung IBRA 2021, abgesagt. Jetzt wurde bekannt, daß die viertägige Verkaufsmesse im nächsten Jahr stattfinden soll.  Im Mai an alter Stelle in der Halle 1 A der Messe Essen. Geplanter Termin: 6. bis 8. Mai 2021 (Do-So). Die IBRA wird nach jetziger Lage im Mai 2023 durchgeführt. Nach dem Aus für die diesjährige Briefmarkenbörse Sindelfingen (Okt.)  können alle Beteiligten, die an der Erhaltung eines philatelistischen Marktes interessiert sind,  guter Dinge sein.

   Rang-1-Ausstellung in Berlin: Sie kommt noch!

Damit zur OSTROPA (Intern. Rang-1-Ausst., Berlin):  Der bereits gefundene neue Termin 5.8.2020 konnte nicht, der neue im November wird  nicht wahrgenommen werden. Die Veranstaltung ist auf 2021 verschoben worden. Das gilt auch für die Weltausstellung CAPETOWN 2021, die nun vom 9. Bis 13. November 2021 stattfinden soll. Dr. W. Leupold vom Organisationskomitee der OSTROPA: „Das Organisationsteam bedauert es sehr, die große Zahl von Ausstellern aus den 14 Teilnehmerländern, darunter natürlich viele aus Deutschland, auf das nächste Jahr vertrösten zu müssen. In einem ersten Gespräch signalisierte uns das Russische Haus für Wissenschaft und Kultur seine Unterstützung für unseren Wunsch, die OSTROPA im Juni 2021 im geplanten Rahmen in Berlin durchzuführen.“

Hier also wieder Licht bei so viel Schatten. Doch das gilt nicht für die 38 Termine von kleineren und mittelgroßen Veranstaltungen (Tauschtage, Börsen) in Deutschland im Zeitraum 30.8. 2020 bis 14.2.2021. Sie  wurden ersatzlos abgesagt. Ebenso die Münzen-Großbörsen in Dortmund (6.9.)  und Stuttgart (19./20.9.). Die Meldungen hierzu erschienen auf der Website des BDPh (www.bdph.de). Allerdings nennt die Seite für den Zeitraum 5. bis 13. September fünf Tauschtagstermine (Kakenstorf/Tostedt, Chemnitz, Pretzier/Salzwedel, Magdeburg und Lingen). Einzelheiten dazu auf der genannten Seite; telefonisches Erkundigen über die wirkliche Durchführung ist ratsam.

Nicht alles ist „tot“

So meldet Heinz Friedberg vom BSV Dietzenbach (Städtchen in der Nähe Offenbach) Erstaunliches. Im Vereinsrundbrief 9/2020 heißt es: „Nachdem die Corona-Maßnahmen Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen zugelassen hatten, holten wir die wegen der Pandemie im Mai ausgefallene Vereinsauktion am 16. August nach. Zwar mußten alle Anwesende Mundschutz tragen und den vorgeschriebenen Abstand einhalten, Doch dafür war genügend Platz. Nahezu 30 Sammler waren gekommen, um die ausgelegten Lose zu besichtigen und zu wählen, was in ihre Sammlung paßt. Die niedrigen Ausrufpreise führten bei etlichen Losen zu regelrechten Bietergefechten. Die nächste Vereinsauktion ist für den 27. September angesetzt.“

Des weiteren nennt er für den weiteren Umkreis seiner Heimatstadt die geplante Durchführung von zwei philatelistischen Veranstaltungen. Zu Recht empfiehlt er vor einer Anreise vorheriges Anfragen. Die beiden folgenden Termine sind in der BDPh-Zentralseite gezeigten Auflistung von gestrichenen Terminen NICHT enthalten (Stand 31.8.):

20.09.2020: Briefmarkensammlerverein Alzenau e. V., Großtauschtag, Prischoßhalle, Prischoßstraße 56, 63755 Alzenau, 08:00. bis 15:00 Uhr, Tel. 06023-3636.

27.09.2020: Briefmarkentauschring Obernburg, Großtauschtag, Stadthalle, Jahnstraße 7, 63785 Obernburg am Main, 09:00 bis 14:00 Uhr, Tel. 01522-9559492.

Und es gibt noch weitere gute Meldungen. So berichtet die September-Ausgabe der „philatelie“ von einem Stattfinden des diesjährigen ArGe-Literaturwettbewerbes in Verbindung mit dem Rauhut-Literaturpreis.. Eine öffentliche Veranstaltung werde es jedoch nicht geben.

  Ersttag der Neuheit: 3. September 2020.

Der „Tag der Briefmarke 2020“ steht unter dem Zeichen der AM-Post-Marken, die vor 75 Jahren durch den Weltkriegssieger USA ausgegeben wurden. Sechs öffentliche Veranstaltungen sind im Zeitraum 19. September bis 18. Oktober vorgesehen (Details s. www.bdph.de, „Philatelie“, September-Ausgabe/Print). Sicherlich werden diese Termine unter den inzwischen üblichen Einschränkungen durchgeführt – aber, wie es derzeit aussieht, finden sie statt!

   Ausstellung Im Internet!

Die RUHRVIA 2020 wurde als als virtuelle, regionale Ausstellung durchgeführt, die NAPOSTA 2020 (1.9.-30.9.2020) wird es gerade. Nichts weniger als „weitere Lebenszeichen der Philatelie“ will man mit der Internetveranstaltung geben und es Ausstellern „ermöglichen, sich noch für die IBRA‘ 2023 zu qualifizieren“. Eine Webadresse für die virtuelle Ausstellung wurde bis zum Berichtsschluß (31.8.) noch nicht genannt.

„Vorträge Digital“ – BDPh baut Angebot im Netz weiter aus

Der Bund Deutscher Philatelisten e.V. treibt sein Angebot von digitalen Vorträgen voran. Künftig sollen zwei Vorträge im Monat zur Lektüre bzw. zum Download angeboten werden – jeweils am 1. und am 15. eines Monats. Das Ziel ist, auf interessante Themen aufmerksam zu machen und gleichzeitig für die Philatelie zu werben (www.bdph.de/index.php?id=86).  Philatelie-Digital 8-2020

Deutsches Postwertzeichen – was war, was kommt und was droht

  
Warum kein "Helmut-Kohl"-Block mit Ehefrau Hannelore 2012? Sie war Präsidentin der viel bedeutsameren Stiftung für hirnverletzte Unfallopfer mit Schädel-Hirn-Trauma (ZNS).

Kommentar
von Werner Rittmeier, Philatelie-Digital

Woher https://www.chip.de* weiß, daß „vielen Verbrauchern“ (wie vielen, 25, 100, 1000, 20.000 oder sogar potentiell 41 Millionen – das ist die 2019 festgestellte Zahl der Haushalte in D.) „das Aufkleben von Briefmarken beim Versand von Post ein lästiges Beiwerk“ ist, sollte man besser gar nicht fragen. Wenn Zahlen oder ähnliche Mengenangaben in der deutschen Aktualitätenpresse genannt werden, kann man sie sowieso fast immer vergessen, weil es keine angemessene Recherchengrundlage für sie gibt, weil möglicherweise die Schreiber an ihr auch gar nicht interessiert sind, weil Zahlen gern auch nur abgeschrieben oder – noch schlimmer – schlicht erfunden werden. Jetzt also die Meldung zur jüngsten Post-App für Smartphonebenutzer, die es – tatsächlich – ermöglichen wird, Briefpost per Handporto OHNE bisheriges Aufgeld versenden bzw. bezahlen zu können.

Dieser Blog berichtete über die Neuerung bereits im vergangenen März („Deutsche Post digitalisiert auf breiter Ebene / Marken mit Matrix werden Alltag“).  Die App liefert eine Überarbeitung des bisherigen Handportos, was chip.de jedoch unerwähnt läßt. Die neue Bezahlform wurde 2009 eingeführt, nach einem am 15. August d. J. beginnenden ein Jahr dauernden Pilot.

Natürlich aber muß die Überschrift das eigentliche Aufsehen erregen: „Riesenänderung bei der Deutschen Post: Steht das Ende der Briefmarke bevor?“ Und ebenso knackig-orakelhaft geht es in einer Bildunterzeile weiter: „Die Deutsche Post plant offenbar künftig auf die Briefmarkenpflicht beim Postversand zu verzichten.“ Und schon wieder sind es „viele“. Denn es heißt dann im weiteren: „Die Deutsche Post plant offenbar, dass der Zwang zum Briefmarken-Kleben bei Postversand künftig ad acta gelegt wird, was viele Verbraucher sicher freuen dürfte.“

Ad acta, Briefmarkenpflicht – was für ein Schreib- und Denkmüll. Als wenn der Postbenutzer eine „Seite zu den Akten geben“ könnte, erledigt, Stempel, aus. Aber es ist ja auch alles „offenbar“. Briefmarkenpflicht? Man meint wohl die gute alte, erst recht im aktuellen Postgesetz sowie in den AGB genannte Leistungspflicht des Kunden, bei einem Beförderungsvertrag (Sendungsaufgabe der Briefsendung bei der DP) die vorgelegte Sendung freizumachen. Dabei muß  oder könnte dem Schreiber irgendwie irgendwann etwas von „Freimachungspflicht“ untergekommen sein. Sie war ein wichtiger Bestandteil des Beförderungsvertrages in der alten POSTORDNUNG. Die aber wurde am 1. Juli 1991 durch AGB und damit durch privatrechtliche Rechtsvorschriften ersetzt bzw. abgeschafft. Bis dahin gab es tatsächlich für gewöhnliche (also nicht etwa  eingeschriebene!) Postkarten und Briefe (wie auch Paketen) die Ausnahme vom Zwang: Diese Sendungsarten konnten unfrei aufgegeben werden, die Beförderungsgebühr holte sich die Post beim Empfänger. Nun ja, es lohnt nicht, über diese Art der Fachschreibe noch ein Wort zu verlieren.

Sehr wohl aber ist der Rotzton, wie hier die Briefmarke mit einer in den heutigen Medien üblichen Mischung vom Behauptung und Schlaugerede inklusive viel Raunen in der Orkus toter Vergangenheit befördert wird. Und das erinnert nun stark in diesen Coronazeiten an das erneut aufkommende  Gebelle über die Sinnhaftigkeit von Bargeldnutzung. Wessen „modernistische“ Erfüllungsgehilfen diese Leute sein mögen, bei Bargeld weiß man, woher die ganze Suppe kommt bzw. ihren Ursprung hat: in den unablässig, mittlerweile auch in der Buntpresse erklingenden Schalmeien der  Oneworld-Economy -Prediger, die bis in die politische Linke und in die weltweit agierenden Grünen mit allen ihren NGO´s reichen, den Machern und Adapten aus dem internationalen Finanz- und Anlagekapital, in Europa sind es die Chargen der EZB, wofür bisher ein Name stand: Draghi und seine Jünger aus der US-Finanz- und Anlage-Bankkrake  Goldman Sachs.

In dem erwähnten Artikel im vergangenen März wurde das Thema „Briefmarken als postalisches Bezahlmittel“ schon erörtert. Der neueste Stand ist nach seriösen Quellen, die der Autor nicht nennt, in etwa dieser:

Die Post AG in Bonn ist nicht mehr gewillt, neuerdings und erstmals bezifferte 70 Mio. Euro Verlust jährlich in der Portoentrichtung hinzunehmen. Die von ihr zusammen mit dem Berliner Herausgeber BMF in dem üblichen Verfahren jährlich zur offiziellen Ausgabe gebrachten Sonderpostwertzeichen und unter Eigenregie ausgegebenen Dauermarken (derzeit Serie „Blumen“ und ATM „Briefe schreiben / empfangen“)  mit der nationalen Herkunftsangabe „Deutschland“ sind in ihren Augen ein störendes Betriebsmittel, auf das man verzichten kann. Es sind auf Papier gedruckte Briefmarken. Die Post hat auch „eigene“, auf Papier gedruckte Briefmarken (Marke Individuell, Internetmarke, u.ä. online produzierte Label wie diesen Test-Matrix-Schmonzes, vom Michel genannt ATM 10) – aber die werden nicht gefälscht, bei denen gibt es keinen Portoklau, jedenfalls in keinem dem Schreiber nennenswert bekannten Umfang. Überdies sind Internetmarken (2008 eingeführt) seit einigen Jahren nur noch jeweils befristet gültig – was bei deutschen Postwertzeichen des Herausgebers Bundesfinanzminister nicht der Fall ist – dessen Marken sind unbegrenzt postgültig.

Die Entgeltesicherung hat im Bonner Postriesen einen schweren Stand, die Philatelieabteilung erst recht. Warum? Erstere kann nicht reinholen, was durch Briefmarkendiebstahl, Ganzfälschungen, Stempelentfernungen  in Hausfrauenarbeit und Wiederverwendung umgestempelt gebliebener postgültiger Euro-Marken (man erinnere sich hier an das selten dämliche, vor allem aber verlogene BGH-Urteil von 2005 zu den vermeintlichen Risiken der DM-Marken!!!) verlorengeht. Die Philatelie-Abteilung kämpft mit wegbrechenden Umsätzen. Ihre „Kartonphilatelie“, seitenlang seit Jahren in den Vorratslisten präsent, richtete sich einstmals an kauffreudige Philatelisten, die noch den Sinn für Extras im Anblick ihrer Ländersammlung hatten. Diese Sammler aber sterben weg. Zu viele Erben schlagen sich mit nicht sammelfähigen, aber so viel „Sammelfreude“ versprechenden Schmonzes-Doku-Massen in Zentnergewicht herum, die keiner mehr will, die eigentlich niemand wollte. Money, Money, Money / Must be funny / In the rich man’s world…  Der gern so apostrophierte Gelegenheitskäufer mit Vorliebe für dieses und jene Markenmotiv, der „modern“ sammelt, nicht länderweise, nicht nach Katalognummern, der kauft nicht in den einst gewohnten Mengen. Er ist dieser philatelistische Konsument, der zwar gern in der Werbung gehätschelt wird, der aber nicht die „Kohle“ hat wie einst die  traditionellen und heute älter gewordenen und vielleicht sogar auch philatelistisch reifer gewordenen Sammler-Generationen.

Aber der Schreiber will nicht abschweifen (obwohl diese Aussage nicht wirklich zutrifft). Also weiter: Der weitere Vertrieb der Markenneuheiten Deutschlands durch die Deutsche Post AG über 2021 hinaus soll vertraglich inzwischen in trockenen Tüchern sein. Das, so sagt man, ist auch das einzige, wo sich Bonner Post AG und BMF noch einig sind. Ansonsten kracht es riesig im Gebälk. Die Post will nicht mehr. Sie könnte mit elektronischen Labeln (PC!) und denen am Schaltern (Digitallabel) leben. Sie will auch diesen besonders für sie kostenträchtigen „Ballast“ aus Zuschlagsmarken (Wohlfahrt, Jugend, Sport, TdB) nicht mehr schultern, der ohnehin das Ausgabeprogramm motivlich einseitig präge. Andererseits seien „Harry Potter“-Marken – nur ein Beispiel – bedauerlicherweise nicht möglich.

Hier nun kann der Schreiber über offensichtliche Verkäufer-Naivität philatelistischer Debütanten in Bonn allerdings nur lachen: Der „Dinosaurier“-Block 2008 (Rechtsprobleme) oder der Gemeinschaftsblock mit Spanien 2001 (Frankierungsprobleme) mit ihrer populären (populistischen!) Stoßrichtung (Verkaufsziele) zeigten an, daß alles „Internationale“ schnell vermintes Gelände sein kann. Und die inzwischen irre politische Moraldiskussion in allen gesellschaftlichen Bereichen „in diesem unserem Merkellande“  wartet nur auf neue Störfälle! Und das dann in diesem politischen  „Regierungsberlin“ mit seinen unterschiedlichsten Akteuren?

Der Kunst-Polit-Erlebnis-Durchwurschtel-Raum verkraftet in Sachen Petitessen (sic! Postwertzeichen)  doch nur noch politische Schaumschlägerei  wie die, daß ein „Helmut-Schmidt“- Gedenkblock in Deutschland NUR bei der Versandstelle erhältlich war! Und daß seine Ehefrau nur deshalb auf die Sondermarke kam, weil man noch eine motivliche Ausstattung einer 45-c-Post-kartenmarke benötigte und zeitgeistig den „lyrischen“ Ausweg in ihren – unbestreitbaren – Verdiensten für ihre naturnahe Stiftung fand. Nur wenn schon – und gar nicht wertend gemeint – populistisch: Könnte man sich einen Helmut-Schmidt-Block (Mi. 89; E: 1.3.2019) mit diesem gedruckten Motto vorstellen, Zitat aus einem Interview mit dem dem linksliberalen „Tagesspiegel“ in Berlin?

Ein deutsches Postwertzeichen, das vor 1995 in einem „Mitteilungsblatt“ (des Bundespostministers) und davor im „Amtsblatt“ (des Bundespostministeriums) veröffentlicht worden wäre, auch bildlich(!), war 2019 nur extrem eingeschränkt erhältlich! Wie das? Weil man in Bonn wußte, daß es die philatelistische Öffentlichkeit von einst nicht mehr gibt, dafür nur noch eine kaufende Herde von Willigen, die sich folglich nicht mehr und zu Recht fürchterlich aufgeregt und mit vielen Schreiben nach Bonn ihren Protest bekundet hätte? Wo Bundestagsabgeordnete bei „Anfragen“ im Parlament  – wie einst in Zeiten von Lämmer (CDU), Stücklen (CSU), Leber (SPD)  oder Gescheide (SPD) – den Bundespostminister eindringlich, in sachlicher, in heute unüblicher gebildeter Form, aber vielleicht auch enervierend zur Rede gestellt hätten? Alles das, was es heute nicht mehr gibt in diesem Regierungsberlin des Merkelschen Durchstechens!

Briefmarken – bitte, worüber reden Sie denn, wie unwichtig ist das denn! Mann! Diese Hanseln von Sammlern, und erst diese Wichtigtuer aus den Verbänden, bitte! Marke als Kulturträger, na ja, das ist doch klar! Markenausstellungen von diesen Exoten? Gerne, die Presse „vor Ort“ kann darüber schreiben, auf dem Pressefoto muß ich aber mit drauf sein, grinsend, jovial. Genau, das ist doch gelebte, soziale Wirklichkeit, Engagement, Teilhabe, super!

Der Schreiber kommt zum Ende in diesem unerquicklichen Realitätskarussell. Das BMF wird (Konjunktiv!) auf seinen Motiven beharren, schließlich sind die gesellschaftlich relevanten Kreise, aus deren Reihen die Motivvorschläge für ein Jahresprogramm entscheidend kommen, nicht zu ignorieren. In Maßen vollkommen richtig. Die unter den gegenwärtigen Verhältnissen nationalkulturelle Selbstdarstellung / Selbstvergewisserung  auf dem postalischen Bildträger „Postwertzeichen“ muß erhalten bleiben. An diesem Anspruch kann auch ein „Vielfalts“-Propagandist wie Postchef Appel nicht vorbei. Also wird man in Bonn den Berlinern die Kröte „Marke mit maschinenlesbarem DataMatrix-Code“  (kurz „DMC“,  2D CodeMatrix“)  vorschlagen und davon nicht abrücken. Die Stempelung dieser Marken in den Briefzentren ist aufgrund der in der Matrix enthaltenen Information nicht mehr nötig. Seltsam, daß trotzdem über eine Stempelung nachgedacht wird. Doch die wird nicht mehr in schwarzer Farbe erfolgen, sondern wegen Fälschungssicherheitsaspekte in Rot oder ähnlichem. Der kreisrunde schwarze Poststempel ist dann passé. Man kann sich nur vorstellen, daß, sollte es weiterhin Sonder- und Hand-/ Maschinen-Werbedauerstempel geben, daß es auch sie „für philatelistische Zwecke“ nicht in schwarzer Farbe geben wird. Damit wäre alles Gestempelte künftig sammlerisch Müll. Sprich: Das Sammeln gestempelter Marken der für 2022 unter der gegenwärtigen Diskussion als ziemlich sicher geltenden Matrix-Bund-Neuheiten wäre endgültig Geschichte. Was käme, wären mit Sicherheit Verkaufsprodukte der Post. Wie die aussehen werden, kann  sich jeder mit wachem Verstand ausmalen.

Aktuelle Marken-Philatelie ab 2022 ist unter diesen Zeichen – postfrisch, gestempelt – folglich nur noch was für Harte (wie das Älterwerden). Der Sinn für das Posthistorische und dessen Implantierung via Heimatphilatelie in regionales Denken und damit Sammlerdenken wird darum die Zukunftsaufgabe der organisierten deutschen Philatelie sein. Erkennt sie die Aufgabe nicht, ist ein Ende noch in der augenblicklich lebenden älteren Generation gewiß. Die bisherige Organisationsstruktur in Bezug auf Wissensimplantierung und aktiver Teilhabe muß angesichts der kommenden Realität von „Bund“ überdacht werden. Das können nur Junge und Junggebliebene von den bisherigen Organisationen des BDPH schultern. Von außen wird nichts kommen, was dauerhaft wäre. Spezialblogs selbst  wie dieser, der inhaltlich breit angelegt ist, können diese große Aufgabe nicht im geringsten schultern – aber mit ihren Möglichkeiten zu unterstützen versuchen.

Der Kommerz lebt auch ohne – ernsthaft betriebene – Philatelie. Er könnte in Zukunft sogar auf bisher übliche Usurpationen aller Art via Sammelprodukte, Stempelorgien auf Messen, etc. verzichten, weil nur noch alles über „Versand“ geht. Wird er aber nicht, da es auch weiterhin genügend Sammler geben wird, die gleich Lemmingen sich von überlebten Verkaufsanreizen überreden lassen. Doch der philatelistische Kommerz schwächelt, er verliert seine angestammte Domäne. ETB, „Ministerkarten“  und  ähnliches aus der sog. „Kartonphilatelie“ dienen heute – zu Recht – nur noch als Verstärkungsunterlagen in philatelistischen Warenlieferungen. Werthaltigkeit perdue, Papiermüll.

Es ist daher Zeit, selbstbewußt im Verband zu agieren, sofern es um ureigene Aufgaben geht, die allerdings das Allgemeine berühren. Der gern so apostrophierte „Spaß an der Philatelie“ wird in Zukunft sehr viel weniger ohne etablierte und damit konkurrierende philatelistische Anschauungen auskommen können. Es gilt mehr denn je, was wirklichen philahistorisch-dokumentarischen Wert besitzt.  Was vor allem deutsche Geschichte lebendig macht und bezeugt. Und davon gibt es viel.

Spaß vom künftigen  „Produktframing“ der Post via Weiden, so sich die Versandstelle überhaupt noch in ihren traditionellen Formen zu erkennen gibt – Messeteilnahmen, Vorratslisten/Kauf, Philatelieshops, Erlebnisteams –  kann man bei dauerhaft  schwieriger Ertragslage vergessen, konnte man auch bisher schon. Darum:  Spaß wird ohne das Verstehen und des Mobilisierens des Woher der Philatelie nicht möglich sein. Das Woher – das ist die Postgeschichte, in Englisch „postal history“, in Französisch „histoire postale“, in Italienisch „historia postale“, in Spanisch „historia postal“. Sie wird mehr denn je die weltumspannende philatelistische Beschäftigung der Zukunft sein.
(Änderungen im Text: 30.7.2020)

* „Riesenänderung bei der Deutschen Post: Steht das Ende Briefmarke bevor?“ (27.7.2020)
                                                                                                            Philatelie-Digital 7-2007

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Deutsches Postwertzeichen – was war, was kommt und was droht

Mehrwertsteuer 1.7.2020: Post senkt Preise tröpfchenweise

   Foto mit Dynamik: Welcher? Quelle: Post

Im Regierungsberlin imaginiert man anläßlich der „Corona-Krise“ die Notwendigkeit einer ganz besonderen Konjunktur“ankurbelung“. Zu diesem – politischen – Zweck  sinkt die Mehrwertsteuer vom kommenden 1. Juli bis Jahresende von 19 auf 16 %, der ermäßigte Satz von 7 auf 5 %. Wie Discounter, die mit entsprechenden Preissenkungen via Werbelockrufen vor allem den nachlassenden Boom aus drei sehr gewinnträchtigen „Corona-Monaten“ wettmachen wollen, gibt auch die Post, wie sie im Werbeslang verlauten läßt, die „Senkung selbstverständlich“ an die Kunden „weiter“.

Doch es ist viel Lärm um fast nichts. Plusbrief-10er-Sets (Briefnominale 80 c)  kosten für ein halbes Jahr lang 6 Cent weniger, statt 9,90 Euro nun 9,84 Euro. Für die zwei Optionen der Anschriftenprüfung werden jetzt 2 Cent bzw. 3 Cent weniger verlangt. Neuer Preis für die Nachnahme National ist jetzt 4,29 Euro (4,40 €), der für die internationale Versendung  8,12 Euro (8,33 €). Auch sämtliche DHL-Express-Entgelte sinken leicht. In Medien wurden auch Preissenkungen bei der Dialogpost gemeldet. Das ist jedoch falsch. Hier gilt weiterhin der Stand vom 1.1. bzw. 1.5.2020.

Sämtliche Entgelte der (MWSt-befreiten)  Universaldienstleistungsprodukte aber bleiben unverändert. Und was die Kritik von BVerWG und Bundesnetzagentur an den bisherigen Preisen betrifft, lehnte Postchef Appel schon vor einer Woche alle Änderungswünsche ab. Begründen mußte er das nicht, bei der fraglichen Presserunde fragte keiner nach. Etwa was die laufende Klage des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik (BIEK) beim Verwaltungsgericht in Köln betrifft.
                                                                                                             Philatelie-Digital 6/2020

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Nachträge: Entgeltehefte 1.1.2019 und 1.5.2020

           

Zum vergangenen 1. Mai mit seinen Preisänderungen hat die Post nicht nur ein (gedrucktes) Faltblatt, sondern ein ganzes Heft mit 116 Seiten Umfang produziert, jedoch, wie es scheint, nur in einer Online-Version. Philatelie-Digital stellt natürlich auch diese Fassung kostenlos und ohne Zugangsprobleme für ein Herunterladen des PDF-Dokumentes bereit.

Überraschend für den Bearbeiter nun, daß auch vom Stichtag 1. Januar 2019 eine ebensolche Ganzversion existiert. Auch sie wurde dem Schreiber von der Pressestelle in Bonn zur Verfügung gestellt. Von Mannheim ein dickes Dankeschön an die Pressestelle im Posttower!

Zum 1. Januar 2019 änderte sich  wie schon zum 1. Juli 2018 wenn überhaupt etwas dann im Frachtsektor. Als markante Änderungen von jenem Juli bleiben in Erinnerung die Entgelte-Anhebungen bei der „Büchersendungen“ und im Frachtbereich die Korrekturen bei den Päckchenmaßen sowie der Wegfall des Rückscheins bei Paketen-Inland.

Aber zum 1. Januar 2019. Hier  kam es zur Erhöhung beim wohl am meisten genutzten Paket-National bis 5 kg (7,49 € statt 6,99 €) und der erstmaligen Umsatzsteuerbelastung für die Rollenservicemarke (1,79 € statt 1,50 €). Auf anderen Plattformen zu lesende Änderungen bei der Warenpost und Buch-International sind komplett falsch, mal davon abgesehen, daß diese Sendungsformen mit ihrer Online-Frankierung  (Internetmarke) für den allein an Briefmarkenfrankaturen interessierten Bedarfspostsammler ausscheiden. Weitere Details aufzuspüren sei dem Leser überlassen. Daß Philatelie-Digital auch diese Version vom 1.1.2019 als PDF-Dokument zur Verfügung stellt, ist allein der Chronistenpflicht geschuldet und dem Interesse jener, die „Postgebührenhefte“ sammeln. Daß es diese in den letzten Jahren auch schon mal nur als Onlineversion gibt, ist der Zug der Zeit! ––

PDF-Dokumente bitte herunterladen: Leistungen und Preise 1.1.2019 und Leistungen und Preise 1.5.2020
                                                                                                               Philatelie-Digital 6/2020

Neues Porto nicht unwahrscheinlich

Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom vergangenen 28. Mai (Philatelie Digital berichtete) erhält die Bonner Postzentrale jetzt erneut einen blauen Brief. Diesmal kommt er von der Bundesnetzagentur (Auf den Webseiten von Post und Agentur war am 17.6. noch kein Eintrag zu finden!) .
Einem Bericht des „Spiegel“ vom 14. Juni zufolge hält die Bundesnetzagentur nach eigener Einschätzung und als Ergebnis der Leipziger Urteils die aktuellen Briefpostentgelte für rechtswidrig. Es geht also nicht um die seit 2016 als rechtswidrig erkannten Briefpreise, für die der Postkunde ohnehin keine Erstattung verlangen könnte. Sondern es geht um die Preise vom 1. Juli 2019. Seit fast einem Jahr kostet der Standardbrief 80 Cent, im Tarif davor waren es 70 Cent. Dieses erhöhte Entgelt ist nun möglicherweise nicht nur rechtswidrig, sondern könnte der Bundesnetzagentur Anlaß sein, die seinerzeitige Erlaubnis einer Erhöhung dieses und vielleicht auch noch anderer Briefentgelte zurückzuziehen.

Philatelie-Digital meint: Ein solches Rein und Raus aus den Kartoffeln bei der Post wäre keine Überraschung  mehr: Erst die verunglückte Erhöhung bei den Bücher-/Warensendungen, dann das 5-Monats-Debakel beim Inlandspäckchen, dann diese von der Merkel-Regierung via Wirtschaftsminister durchgesetzte neue Postentgeltregulierungsverordnung. Nach ihr sind nicht mehr die Gewinne der Post und ein Warenkorb Grundlagen für die Preisfindung, sondern erstmals die Gewinnmargen ausländischer Postunternehmen. Diese Berechnungsgrundlage, so Leipzig, sei nicht mehr durch das Postgesetz gedeckt.  Was für eine Klatsche für die Regierung in Berlin. Der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK), der wegen des Verdachts der Querfinanzierung von Gelbe-Post-Paket (DHL) gegen die Erhöh-ungen 2016 geklagt hatte, klagt dem „Spiegel“-Bericht nach vor dem Verwaltungs-gericht Köln auch gegen die Briefpreiserhöhung vom 1. Juli 2019. Da darf man gespannt sein, wie das ausgeht! ––
                                                                                                               Philatelie-Digital 6/2020

Entgelte-Faltblatt vom 1.5.2020 macht´s schriftlich

  Für einige Frachtpreise ab Mai Marsch zurück!

  Päckchen vom 30.4.2020.

Philatelie-Digital berichtete über die stark kritisierten Frachtpreise vom 1. Januar d.J. ausführlich. Jetzt hat die Post ein Preisverzeichnis neu aufgelegt (Stand: 1.5.20, kostenlose Abgabe). Korrigiert wurden die nationalen Entgelte für Päckchen M und Pakete bis 10 kg und bis 31,5 kg.

Das Normalpäckchen kostet statt 4,79 € nun wieder 4,50 €, das Paket bis 10 kg 9,49 € (– 1€), die Sendung bis 31,5 kg 16,49 € (–2€!). Eine Briefmarke zwecks Päckchenfreimachung zu 4,79 € erschien nicht. In den vier Monaten mußte, wer mit Briefmarken freimachen wollte, umständlich mit Nennwerten stückeln (s. Abb.). Seit dem 1. Mai kann wieder die „Blumen“-Dauermarke zu 450 Cent zum Einsatz kommen.                                                                           Philatelie 6/2020

Kracher: Portoerhöhung von 2016 nicht Rechtens!

  So macht Freimachung der Privaten Sinn!

Zusammenhänge, Fakten, Ungereimtes und wie immer ist die Moral im Spiel!
                                                                                                         Philatelie-Digital 5-2020

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Die Lufthansa – deutsches Fernweh

   Quelle: a_ oxford_philately ebay.
Nicht portorichtig, tut hier aber nichts zur Sache! Ein wunderbares zeitgeschichtliches Sammelstück! Seinen Postabgang erlebte es 1927 im „Berlin-Zentralflughafen“. Apropos Berlin, ging in diesen Wochen fast unter: Der „Willy-Brandt-Flughafen“ (Baubeginn 2006) wird nun nach eigentlich geplantem Beginn 2011 jetzt, 2020, fertig. Im Oktober!

„Corona“, je länger „es“ (Kanzlerin Merkel!) uns „beschäftigt“,  beschert immer mehr und immer quälender Reminiszenzen, im Alltag, in den Köpfen, im Bauch. Was dabei herauskommt, kennt inzwischen sicherlich jeder. Das Banale wird zum Traum – mit allen „Zutaten“:  Man möchte all dem täglichen Irrsinn den Rücken kehren, einfach weglaufen, den täglichen kleinen und großen Albtraum hinter sich lassenTräume sind Schäume? Nie waren Träume näher und drängender. Vom Besserem, von dem „Davor“, vom  Einst. Was wunder, daß sich des Menschen einst uralter Wunsch – das Fliegen – vehement als Vehikel in diesen Zeiten in der Vordergrund drängt. Ungeachtet der Tagesmeldungen, daß derzeit in der Welt „vor Corona“ gestrandete Deutsche glücklich sind, dem drastischen Lockdown ihrer Reiseländer entfliehen und heimfliegen zu können, bleibt das Fliegen als Fluchtbewegung. Nicht auszuschließen, daß selbst der 2-Stunden-Mallorca-Flugurlauber jetzt in der Lage wäre, sein „Billig-Billig“ zu transzendieren – für einen Moment wenigstens.

Doch der  „Escape“ vom Alltag wurde in diesen vergangenen drei Monaten längst zur harten Landung, die  Fahrbahnen dienen inzwischen stolzen Flugzeugflotten nurmehr als Parkplätze – überall auf der Welt.  Was für Zeiten damals, in den 10er und 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts,  als sich metallene Vögel mit brummenden Propellern hoffnungsvoll von ihren wagemutigen Lenkern in die Lüfte erhoben, als  Flucht und Eroberung eins waren, als als aus dem Fliegen das Himmelreich auf Erden wurde! Eines, das  bald schon, wie die Luft-Hansa 1927 warb, für den Reisenden „bequem, schnell, sicher und billig“  war!

2019 war für Deutschland, und damit auch für seine wache, mit der Zeit gehende Philatelie  ein wunderbares Jahr der Erinnerungen an die Fluganfänge (Philatelie Digital meldete im Januar d.J.). Auf ein Jahrhundert stolzester menschlicher Errungenschaften konnte vor einem Jahr zurückgeblickt werden. 2020, ein Jahr später, ist der Luftverkehr wie tot. Abendliche Fernsehbilder zeigen die ganze unglaubliche Tristesse. Die irre Anti-Kampagne der sog. „Klimaretter“ trat aus heutiger Sicht wie ein Vorbote auf.  Heute befindet sich die noch vor kurzem prosperierende Deutsche Lufthansa im wirtschaftlichen Krisentaumel.

Träume müssen dennoch nicht immer Schäume sein. Schon gar nicht für postgeschichtlich grundierte Philatelisten.  Warum? Sie sind es, die in ihren thematischen Sammlungen die Realität wachhalten! ––      Philatelie-Digital 5/2020

Auf „Geprüft BPP“ achten, Leute!


Berlin „Gedächtniskirche“ (1953), Mi. 106-09, jede Marke mit zentrischem Stempelabschlag. Eine Augenweide. Oder doch falsche Bräute? Eine Ausgabe, die aufs höchste fälschungsgefährdet ist!


Stempelbelege zu Sonderanlässen im Bundesgebiet. Berlin-Marken waren beliebt!

Wer „Gestempelt“ und gleichzeitig auch Bedarfspost sammelt, weiß ganz besonders um die Gefahren bei Marken der 50er Jahre. Berlin-Sondermarken ab „Glocke“ 1951 gerieten wie seinerzeit auch die Saarlandmarken immer wieder in die Spekulation, schon am Verkaufstag oder bald danach. Den Vogel schoß der vierwertige Zuschlagssatz „Wiederaufbau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche“ mit Erscheinen im Jahr 1953 ab. Insbesondere der unscheinbare 10+5-Pf-Wert wurde bogenweise gehortet und landete außerdem in Anlagepaketen.

Der Briefpostsammler kennt die Folge des damaligen Hortens postfrischer Marken: In den Alltagsgebrauch ging wenig. Wenn, dann nutzte man wie so häufig in jenen Jahren Marken oder gleich ganze Sätze als Markenschmuck für Sonderbelege zu Sonderanlässen. Die waren bei Sammlern damals beliebt – seit langem schon sind sie es nicht mehr. Lose gestempeltes Material, noch dazu aus Berlin, ist unabhängig davon, daß auch für Berlin-Klassiker die Preise nachgeben, in sammelfähiger Form selten. Sammelfähig bedeutet vor allem: BPP-geprüft zu sein. Insbesondere „Berlin“-gestempelte Stücke sind selten an sich. Denn was passierte, nachdem der Markt erkannte, daß es an zurückfließenden postfrischen Marken genug gibt, gestempelte aber nicht? Stempel, in Sonderheit Berliner Sonder- und Tagesstempelwerkzeuge wurden (später) gestohlen und mißbräuchlich verwendet (Rückdatierungen) oder es tauchten Abschläge mit teilverfälschten oder ganz gefälschten Abschlägen auf. Phantasieabschläge auch, eben die ganze Palette, auf die ein mieses Abzockermilieu so kommen kann, wenn man das Angebot für eine zahlungsbereite Nachfrage „sicherstellen“ will.

Die weitere Geschichte ist die weit häufigste aller fälschungsgefährdeten gebrauchten Marken: Marken/Sätze dieser und anderer Art werden ungeprüft angeboten (kein Prüfzeichen, kein Kurzattest)! Exakt so verhält es sich bei dem oben abgebildeten, so scheinbar wunderschön gestempelten Satz eines britischen Anbieters. Möglich, daß der von der Fälschungsgefahr nichts weiß, aber vielleicht weiß er auch davon. Dann ginge es ihm so wie den meisten der Gestempelanbieter in Deutschland. Sie bieten kackfrech „Luxus“ an oder „sauber gebrauchte“ Stücke. Es ist die Lyrik der Verschleierung oder des Dummverkaufens. Hat man Betrugsabsicht, hofft man darauf, daß der Sammler bei einem Schnäppchenpreis schon nicht prüfen lassen wird oder er den ganzen Umstand von Rückgabe und Umtausch etc. nicht wagen wird.

Philatelie-Digital legte Mitte April diesen derzeit bei Ebay angebotenen Satz als Abbildung per Mail dem zuständigen BPP-Prüfer H.-D. Schlegel in Berlin vor. Antwort auf die bewußt allgemein gehaltene Frage „ist dieser Stempel „B-Charlottenburg 2“ mit Unterscheidungsbuchstabe „v“ fälschungsgefährdet und ist dieser damit gestempelte Satz 106-09 möglicherweise als Fälschungsware (alt-)bekannt?“ lautete kurz: „ja“. – Ziehe jeder, der mag und dem sein Geld lieb ist, seine Schlüsse.

Ach ja, noch zur 10er: Auch in einfacher bzw. üblicher Einzelverwendung auf Postkarte-Inland ist sie schwieriger als der Höchstwert 30+15 Pf (Auslandsbriefporto). Wenn die EF vorkommt, dann meist als (weniger beliebte) Bund-Verwendung und dann nicht selten auch noch in schlechter Erhaltung (Zähnungsgüte, Stempelabschlag). Wenn man schon von häufiger sprechen möchte bei diesen vier Marken, dann trifft das für den Drucksachenwert (4+1 Pf) und den Briefwert (20+10 Pf) zu.


Angebot vom April 2020. Zu „preiswerten“ 8,50 Euro. Von einem Anbieter in Bremen auf der britischen Ebay-Plattform. Sofortpreis oder Preisvorschlag – liest sich doch gut!

   
Der Anbieter zeigt die Rückseite mit Prüfstempel. Löblich. Offenkundig fiel ihm die eigenartige Buchstabenführung des Prüfstempels nicht auf. (Abb.: joergang/GB-Ebay)

Damit zum zweiten Nachkriegs-Fälschungsklassiker, der legendären 42 Pf aus dem 1. Kontrollratsausgaben-Satz (Mi. 911/37). Der Bedarfspostfreund schätzt diese Marke (Mi. 930) auf Brief außerordentlich, die wenigsten haben den Wert in seiner postalisch zugedachten Einzelverwendung (EF) auf Inlands-Einschreiben. Es kostete bis 28. Februar 1946 besagte 42 Pf, der Brief 12, der Sonderdienst Einschreiben 30 Pf. Nur ein paar Wochen war diese EF möglich. Ihr Marktwert ist  wie der anderer „Februar“-Verwendungen dieser Serie zwar gefallen, aber das ändert nichts an der Seltenheit des Vorkommens. Es gibt viel Erhaltungsschrott, aber noch mehr Fälschungen (des Stempelabschlages, oder gleich des ganzen Briefes).

Vor nun über dreißig Jahren, als sich das Gestempelt-Sammel von Marken aus der unmittelbaren Nachkriegszeit auf breiter Ebene durchsetzte, wußte der erfahrene und ältere Sammler natürlich immer schon, was es gerade mit dieser Dauermarke 42 Pf Ziffern auf sich hat: Daß sie in den Preislisten der meisten Versender – und von ihnen gab es schon kurz nach dem Krieg unglaublich viele –  regelmäßig fehlte. Die Versender boten auch da schon meist nur postfrisch an, was zum Beispiel auch für AM Post (Mi.1-35) und die frz. Zone-Marken fatale Folgen haben sollte. Selbst postfrische Sätze wurden unvollständig, also minus die eine, die 42er, gelistet. Den Preis von heute 40 Euro für lose gestempelte Erhaltung erzielte die Marke nicht mehr, aber 8,50 britische Pfund für diesen offensichtlichen Fälschungsschrott (Prüfzeichen) und Sammelschrott (nicht lesbares Stempeljahr, Frage der Echtheit des Stempelabschlages) sind exakt um diesen Betrag zu viel! Sorgsame Sammler werden die lose Marke gestempelt nur BPP-geprüft erwerben! Nicht anders beim Brief. Wer so was heutzutage ungeprüft anbietet, kann alle besten Ausreden haben – es bleiben Ausreden, die ein seriöser Anbieter von vornherein vermeidet! Wer kauft lose oder auf Brief ungeprüft eine 8 oder 80 Pf AM Post, eine 60 Pf sog. „Helle“ Bandaufdruck/Arbeiterserie oder die Ziffern-Währungsüberdruckmarken von 1948? Nur, der dumm ist oder der sich in die Tasche lügen will.

Prüfer Schlegel antwortete bei Mail-Vorlage auch dieser Abbildungen natürlich mit Vorbehalt, auch wenn er den Daumen senkte. Wenn nicht er, wer weiß dann am besten über sein Prüfzeichen Bescheid?                                       Philatelie-Digital 4/2020