Mehrwertsteuer 1.7.2020: Post senkt Preise tröpfchenweise

   Foto mit Dynamik: Welcher? Quelle: Post

Im Regierungsberlin imaginiert man anläßlich der „Corona-Krise“ die Notwendigkeit einer ganz besonderen Konjunktur“ankurbelung“. Zu diesem – politischen – Zweck  sinkt die Mehrwertsteuer vom kommenden 1. Juli bis Jahresende von 19 auf 16 %, der ermäßigte Satz von 7 auf 5 %. Wie Discounter, die mit entsprechenden Preissenkungen via Werbelockrufen vor allem den nachlassenden Boom aus drei sehr gewinnträchtigen „Corona-Monaten“ wettmachen wollen, gibt auch die Post, wie sie im Werbeslang verlauten läßt, die „Senkung selbstverständlich“ an die Kunden „weiter“.

Doch es ist viel Lärm um fast nichts. Plusbrief-10er-Sets (Briefnominale 80 c)  kosten für ein halbes Jahr lang 6 Cent weniger, statt 9,90 Euro nun 9,84 Euro. Für die zwei Optionen der Anschriftenprüfung werden jetzt 2 Cent bzw. 3 Cent weniger verlangt. Neuer Preis für die Nachnahme National ist jetzt 4,29 Euro (4,40 €), der für die internationale Versendung  8,12 Euro (8,33 €). Auch sämtliche DHL-Express-Entgelte sinken leicht. In Medien wurden auch Preissenkungen bei der Dialogpost gemeldet. Das ist jedoch falsch. Hier gilt weiterhin der Stand vom 1.1. bzw. 1.5.2020.

Sämtliche Entgelte der (MWSt-befreiten)  Universaldienstleistungsprodukte aber bleiben unverändert. Und was die Kritik von BVerWG und Bundesnetzagentur an den bisherigen Preisen betrifft, lehnte Postchef Appel schon vor einer Woche alle Änderungswünsche ab. Begründen mußte er das nicht, bei der fraglichen Presserunde fragte keiner nach. Etwa was die laufende Klage des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik (BIEK) beim Verwaltungsgericht in Köln betrifft.
                                                                                                             Philatelie-Digital 6/2020

Weiterlesen

Nachträge: Entgeltehefte 1.1.2019 und 1.5.2020

           

Zum vergangenen 1. Mai mit seinen Preisänderungen hat die Post nicht nur ein (gedrucktes) Faltblatt, sondern ein ganzes Heft mit 116 Seiten Umfang produziert, jedoch, wie es scheint, nur in einer Online-Version. Philatelie-Digital stellt natürlich auch diese Fassung kostenlos und ohne Zugangsprobleme für ein Herunterladen des PDF-Dokumentes bereit.

Überraschend für den Bearbeiter nun, daß auch vom Stichtag 1. Januar 2019 eine ebensolche Ganzversion existiert. Auch sie wurde dem Schreiber von der Pressestelle in Bonn zur Verfügung gestellt. Von Mannheim ein dickes Dankeschön an die Pressestelle im Posttower!

Zum 1. Januar 2019 änderte sich  wie schon zum 1. Juli 2018 wenn überhaupt etwas dann im Frachtsektor. Als markante Änderungen von jenem Juli bleiben in Erinnerung die Entgelte-Anhebungen bei der „Büchersendungen“ und im Frachtbereich die Korrekturen bei den Päckchenmaßen sowie der Wegfall des Rückscheins bei Paketen-Inland.

Aber zum 1. Januar 2019. Hier  kam es zur Erhöhung beim wohl am meisten genutzten Paket-National bis 5 kg (7,49 € statt 6,99 €) und der erstmaligen Umsatzsteuerbelastung für die Rollenservicemarke (1,79 € statt 1,50 €). Auf anderen Plattformen zu lesende Änderungen bei der Warenpost und Buch-International sind komplett falsch, mal davon abgesehen, daß diese Sendungsformen mit ihrer Online-Frankierung  (Internetmarke) für den allein an Briefmarkenfrankaturen interessierten Bedarfspostsammler ausscheiden. Weitere Details aufzuspüren sei dem Leser überlassen. Daß Philatelie-Digital auch diese Version vom 1.1.2019 als PDF-Dokument zur Verfügung stellt, ist allein der Chronistenpflicht geschuldet und dem Interesse jener, die „Postgebührenhefte“ sammeln. Daß es diese in den letzten Jahren auch schon mal nur als Onlineversion gibt, ist der Zug der Zeit! ––

PDF-Dokumente bitte herunterladen: Leistungen und Preise 1.1.2019 und Leistungen und Preise 1.5.2020
                                                                                                               Philatelie-Digital 6/2020

Neues Porto nicht unwahrscheinlich

Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom vergangenen 28. Mai (Philatelie Digital berichtete) erhält die Bonner Postzentrale jetzt erneut einen blauen Brief. Diesmal kommt er von der Bundesnetzagentur (Auf den Webseiten von Post und Agentur war am 17.6. noch kein Eintrag zu finden!) .
Einem Bericht des „Spiegel“ vom 14. Juni zufolge hält die Bundesnetzagentur nach eigener Einschätzung und als Ergebnis der Leipziger Urteils die aktuellen Briefpostentgelte für rechtswidrig. Es geht also nicht um die seit 2016 als rechtswidrig erkannten Briefpreise, für die der Postkunde ohnehin keine Erstattung verlangen könnte. Sondern es geht um die Preise vom 1. Juli 2019. Seit fast einem Jahr kostet der Standardbrief 80 Cent, im Tarif davor waren es 70 Cent. Dieses erhöhte Entgelt ist nun möglicherweise nicht nur rechtswidrig, sondern könnte der Bundesnetzagentur Anlaß sein, die seinerzeitige Erlaubnis einer Erhöhung dieses und vielleicht auch noch anderer Briefentgelte zurückzuziehen.

Philatelie-Digital meint: Ein solches Rein und Raus aus den Kartoffeln bei der Post wäre keine Überraschung  mehr: Erst die verunglückte Erhöhung bei den Bücher-/Warensendungen, dann das 5-Monats-Debakel beim Inlandspäckchen, dann diese von der Merkel-Regierung via Wirtschaftsminister durchgesetzte neue Postentgeltregulierungsverordnung. Nach ihr sind nicht mehr die Gewinne der Post und ein Warenkorb Grundlagen für die Preisfindung, sondern erstmals die Gewinnmargen ausländischer Postunternehmen. Diese Berechnungsgrundlage, so Leipzig, sei nicht mehr durch das Postgesetz gedeckt.  Was für eine Klatsche für die Regierung in Berlin. Der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK), der wegen des Verdachts der Querfinanzierung von Gelbe-Post-Paket (DHL) gegen die Erhöh-ungen 2016 geklagt hatte, klagt dem „Spiegel“-Bericht nach vor dem Verwaltungs-gericht Köln auch gegen die Briefpreiserhöhung vom 1. Juli 2019. Da darf man gespannt sein, wie das ausgeht! ––
                                                                                                               Philatelie-Digital 6/2020

Entgelte-Faltblatt vom 1.5.2020 macht´s schriftlich

  Für einige Frachtpreise ab Mai Marsch zurück!

  Päckchen vom 30.4.2020.

Philatelie-Digital berichtete über die stark kritisierten Frachtpreise vom 1. Januar d.J. ausführlich. Jetzt hat die Post ein Preisverzeichnis neu aufgelegt (Stand: 1.5.20, kostenlose Abgabe). Korrigiert wurden die nationalen Entgelte für Päckchen M und Pakete bis 10 kg und bis 31,5 kg.

Das Normalpäckchen kostet statt 4,79 € nun wieder 4,50 €, das Paket bis 10 kg 9,49 € (– 1€), die Sendung bis 31,5 kg 16,49 € (–2€!). Eine Briefmarke zwecks Päckchenfreimachung zu 4,79 € erschien nicht. In den vier Monaten mußte, wer mit Briefmarken freimachen wollte, umständlich mit Nennwerten stückeln (s. Abb.). Seit dem 1. Mai kann wieder die „Blumen“-Dauermarke zu 450 Cent zum Einsatz kommen.                                                                           Philatelie 6/2020

Kracher: Portoerhöhung von 2016 nicht Rechtens!

  So macht Freimachung der Privaten Sinn!

Zusammenhänge, Fakten, Ungereimtes und wie immer ist die Moral im Spiel!
                                                                                                         Philatelie-Digital 5-2020

Weiterlesen

Die Lufthansa – deutsches Fernweh

   Quelle: a_ oxford_philately ebay.
Nicht portorichtig, tut hier aber nichts zur Sache! Ein wunderbares zeitgeschichtliches Sammelstück! Seinen Postabgang erlebte es 1927 im „Berlin-Zentralflughafen“. Apropos Berlin, ging in diesen Wochen fast unter: Der „Willy-Brandt-Flughafen“ (Baubeginn 2006) wird nun nach eigentlich geplantem Beginn 2011 jetzt, 2020, fertig. Im Oktober!

„Corona“, je länger „es“ (Kanzlerin Merkel!) uns „beschäftigt“,  beschert immer mehr und immer quälender Reminiszenzen, im Alltag, in den Köpfen, im Bauch. Was dabei herauskommt, kennt inzwischen sicherlich jeder. Das Banale wird zum Traum – mit allen „Zutaten“:  Man möchte all dem täglichen Irrsinn den Rücken kehren, einfach weglaufen, den täglichen kleinen und großen Albtraum hinter sich lassenTräume sind Schäume? Nie waren Träume näher und drängender. Vom Besserem, von dem „Davor“, vom  Einst. Was wunder, daß sich des Menschen einst uralter Wunsch – das Fliegen – vehement als Vehikel in diesen Zeiten in der Vordergrund drängt. Ungeachtet der Tagesmeldungen, daß derzeit in der Welt „vor Corona“ gestrandete Deutsche glücklich sind, dem drastischen Lockdown ihrer Reiseländer entfliehen und heimfliegen zu können, bleibt das Fliegen als Fluchtbewegung. Nicht auszuschließen, daß selbst der 2-Stunden-Mallorca-Flugurlauber jetzt in der Lage wäre, sein „Billig-Billig“ zu transzendieren – für einen Moment wenigstens.

Doch der  „Escape“ vom Alltag wurde in diesen vergangenen drei Monaten längst zur harten Landung, die  Fahrbahnen dienen inzwischen stolzen Flugzeugflotten nurmehr als Parkplätze – überall auf der Welt.  Was für Zeiten damals, in den 10er und 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts,  als sich metallene Vögel mit brummenden Propellern hoffnungsvoll von ihren wagemutigen Lenkern in die Lüfte erhoben, als  Flucht und Eroberung eins waren, als als aus dem Fliegen das Himmelreich auf Erden wurde! Eines, das  bald schon, wie die Luft-Hansa 1927 warb, für den Reisenden „bequem, schnell, sicher und billig“  war!

2019 war für Deutschland, und damit auch für seine wache, mit der Zeit gehende Philatelie  ein wunderbares Jahr der Erinnerungen an die Fluganfänge (Philatelie Digital meldete im Januar d.J.). Auf ein Jahrhundert stolzester menschlicher Errungenschaften konnte vor einem Jahr zurückgeblickt werden. 2020, ein Jahr später, ist der Luftverkehr wie tot. Abendliche Fernsehbilder zeigen die ganze unglaubliche Tristesse. Die irre Anti-Kampagne der sog. „Klimaretter“ trat aus heutiger Sicht wie ein Vorbote auf.  Heute befindet sich die noch vor kurzem prosperierende Deutsche Lufthansa im wirtschaftlichen Krisentaumel.

Träume müssen dennoch nicht immer Schäume sein. Schon gar nicht für postgeschichtlich grundierte Philatelisten.  Warum? Sie sind es, die in ihren thematischen Sammlungen die Realität wachhalten! ––      Philatelie-Digital 5/2020

Corona-Virus: Eingeschränkter Postversand ins Ausland

Wer unangenehme Überraschungen beim Versand von Briefen, Waren- und Büchersendungen sowie Frachtgut ins Ausland vermeiden will – weil die in Postbriefkasten deponierten Sendungen ggf. unweigerlich an ihn zurückgehen –, sollte die Website der Post zu Rate ziehen. Sie lautet: https://www.deutschepost.de/de/c/coronavirus.html, dort Link zu: „Internationaler Brief- und Paketversand“. Hier die wichtigsten Einzelheiten zu den Erdteil-Zonen  (Stand: 25.4.2020).

Was Europaziele betrifft, sieht die Lage gut aus. Pakete und Päckchen nach Belgien jedoch sind abweichend vom Standardformat derzeit nicht zulässig. Auch im Falle Frankreichs gibt es „massive Einschränkungen im Paketnetz“. Normalformate aber gehen auch hier. Auch für Italien gelten ab sofort „verringerte Maximalmaße“. Nach Österreich sind zu einigen PLZ-Gebieten (064…, 065…, 055…) sämtliche Pakete derzeit nicht zugelassen!
Wichtig aber: Keine Einschränkungen für Briefsendungen  zu diesen Ländern und für sämtliche Sendungen zu allen übrigen europäischen Ländern sowie nach Rußland, Armenien, Geogien und Kasachstan!
Totaler Annahmestop gilt jedoch für alle Postsendungen nach Moldawien und Montenegro.

Damit zu Briefen, Warenpostsendungen, Päckchen und Paketen mit Ziel Nord-, Mittel- und Südamerika: Mit Ausnahme von Anguilla, Argentinien (jedoch keine Waren-Lfg. irgendwelcher Art!), Falkland-I., Frz.-Guyana, Jungfern-I (USA, GB), Kuba, Montserrat, Puerto Rico, Saba sowie St. Eustatius (Ndl. Antillen), Sint Maarten u. Saint Martin. St. Pierre et Miquelon, Turks und Caicos-I. und Uruguay (s. ARG!) geht gar nichts mehr!
Sonderregelungen: Nach Kanada sind keine Warensendungen (Paket Intern., Päckchen Intern. und Warenpost Intern.) mehr zulässig, ebenso nicht nach Mexiko. In Richtung USA gelten abgestufte Beschränkungen im Frachtdienst. Der Briefdienst ist aber weiterhin in diese Länder zulässig (ARG, CDN, MEX, USA, URU).

Was Asien betrifft, gilt ein Annahmestop für alles mit Ziel Südkorea, nicht aber in den Norden. Auch nach dem Libanon geht nichts, wohl aber nach Israel. Nach China inklusive Hongkong werden alle Sendungen angenommen, nach Taiwan nicht eine! Nach Indien sind Paketsendungen aller Art ausgeschlossen, Warensendungen und Päckchen wieder möglich, Briefpost sowieso. Das gleiche gilt für Japan und Thailand. Differenziert die Lage beim Ziel Stadtstaat Singapur: Hier gilt kein Annahmestop für Briefsendungen bis 500g und maximal 2 cm Höhe, wohl aber für Pakete, Päckchen und Warenpost. Das gleiche gilt für Australien und Neuseeland. Was diese Fern-Südost-Zielzone betrifft, gilt totaler Annahmestop für Neukaledonien, Fidschi-I., Frz.-Polynesien, Samoa, Tuvalu. Vanuatu und Wallis & Futuna.

Im Falle Afrikas fällt auf, daß die geographisch näher liegenden Länder Algerien und Marokko vom Annahmestop betroffen sind, nicht aber Tunesien und Ägypten.

Die Angaben der Post stehen wohl unter laufendem Vorbehalt. Wer eine Sendung aufgeben will, sollte sich folglich um tagesaktuelle Informationen bemühen!
                                                                                                           Philatelie-Digital 5/2020

Auf „Geprüft BPP“ achten, Leute!


Berlin „Gedächtniskirche“ (1953), Mi. 106-09, jede Marke mit zentrischem Stempelabschlag. Eine Augenweide. Oder doch falsche Bräute? Eine Ausgabe, die aufs höchste fälschungsgefährdet ist!


Stempelbelege zu Sonderanlässen im Bundesgebiet. Berlin-Marken waren beliebt!

Wer „Gestempelt“ und gleichzeitig auch Bedarfspost sammelt, weiß ganz besonders um die Gefahren bei Marken der 50er Jahre. Berlin-Sondermarken ab „Glocke“ 1951 gerieten wie seinerzeit auch die Saarlandmarken immer wieder in die Spekulation, schon am Verkaufstag oder bald danach. Den Vogel schoß der vierwertige Zuschlagssatz „Wiederaufbau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche“ mit Erscheinen im Jahr 1953 ab. Insbesondere der unscheinbare 10+5-Pf-Wert wurde bogenweise gehortet und landete außerdem in Anlagepaketen.

Der Briefpostsammler kennt die Folge des damaligen Hortens postfrischer Marken: In den Alltagsgebrauch ging wenig. Wenn, dann nutzte man wie so häufig in jenen Jahren Marken oder gleich ganze Sätze als Markenschmuck für Sonderbelege zu Sonderanlässen. Die waren bei Sammlern damals beliebt – seit langem schon sind sie es nicht mehr. Lose gestempeltes Material, noch dazu aus Berlin, ist unabhängig davon, daß auch für Berlin-Klassiker die Preise nachgeben, in sammelfähiger Form selten. Sammelfähig bedeutet vor allem: BPP-geprüft zu sein. Insbesondere „Berlin“-gestempelte Stücke sind selten an sich. Denn was passierte, nachdem der Markt erkannte, daß es an zurückfließenden postfrischen Marken genug gibt, gestempelte aber nicht? Stempel, in Sonderheit Berliner Sonder- und Tagesstempelwerkzeuge wurden (später) gestohlen und mißbräuchlich verwendet (Rückdatierungen) oder es tauchten Abschläge mit teilverfälschten oder ganz gefälschten Abschlägen auf. Phantasieabschläge auch, eben die ganze Palette, auf die ein mieses Abzockermilieu so kommen kann, wenn man das Angebot für eine zahlungsbereite Nachfrage „sicherstellen“ will.

Die weitere Geschichte ist die weit häufigste aller fälschungsgefährdeten gebrauchten Marken: Marken/Sätze dieser und anderer Art werden ungeprüft angeboten (kein Prüfzeichen, kein Kurzattest)! Exakt so verhält es sich bei dem oben abgebildeten, so scheinbar wunderschön gestempelten Satz eines britischen Anbieters. Möglich, daß der von der Fälschungsgefahr nichts weiß, aber vielleicht weiß er auch davon. Dann ginge es ihm so wie den meisten der Gestempelanbieter in Deutschland. Sie bieten kackfrech „Luxus“ an oder „sauber gebrauchte“ Stücke. Es ist die Lyrik der Verschleierung oder des Dummverkaufens. Hat man Betrugsabsicht, hofft man darauf, daß der Sammler bei einem Schnäppchenpreis schon nicht prüfen lassen wird oder er den ganzen Umstand von Rückgabe und Umtausch etc. nicht wagen wird.

Philatelie-Digital legte Mitte April diesen derzeit bei Ebay angebotenen Satz als Abbildung per Mail dem zuständigen BPP-Prüfer H.-D. Schlegel in Berlin vor. Antwort auf die bewußt allgemein gehaltene Frage „ist dieser Stempel „B-Charlottenburg 2“ mit Unterscheidungsbuchstabe „v“ fälschungsgefährdet und ist dieser damit gestempelte Satz 106-09 möglicherweise als Fälschungsware (alt-)bekannt?“ lautete kurz: „ja“. – Ziehe jeder, der mag und dem sein Geld lieb ist, seine Schlüsse.

Ach ja, noch zur 10er: Auch in einfacher bzw. üblicher Einzelverwendung auf Postkarte-Inland ist sie schwieriger als der Höchstwert 30+15 Pf (Auslandsbriefporto). Wenn die EF vorkommt, dann meist als (weniger beliebte) Bund-Verwendung und dann nicht selten auch noch in schlechter Erhaltung (Zähnungsgüte, Stempelabschlag). Wenn man schon von häufiger sprechen möchte bei diesen vier Marken, dann trifft das für den Drucksachenwert (4+1 Pf) und den Briefwert (20+10 Pf) zu.


Angebot vom April 2020. Zu „preiswerten“ 8,50 Euro. Von einem Anbieter in Bremen auf der britischen Ebay-Plattform. Sofortpreis oder Preisvorschlag – liest sich doch gut!

   
Der Anbieter zeigt die Rückseite mit Prüfstempel. Löblich. Offenkundig fiel ihm die eigenartige Buchstabenführung des Prüfstempels nicht auf. (Abb.: joergang/GB-Ebay)

Damit zum zweiten Nachkriegs-Fälschungsklassiker, der legendären 42 Pf aus dem 1. Kontrollratsausgaben-Satz (Mi. 911/37). Der Bedarfspostfreund schätzt diese Marke (Mi. 930) auf Brief außerordentlich, die wenigsten haben den Wert in seiner postalisch zugedachten Einzelverwendung (EF) auf Inlands-Einschreiben. Es kostete bis 28. Februar 1946 besagte 42 Pf, der Brief 12, der Sonderdienst Einschreiben 30 Pf. Nur ein paar Wochen war diese EF möglich. Ihr Marktwert ist  wie der anderer „Februar“-Verwendungen dieser Serie zwar gefallen, aber das ändert nichts an der Seltenheit des Vorkommens. Es gibt viel Erhaltungsschrott, aber noch mehr Fälschungen (des Stempelabschlages, oder gleich des ganzen Briefes).

Vor nun über dreißig Jahren, als sich das Gestempelt-Sammel von Marken aus der unmittelbaren Nachkriegszeit auf breiter Ebene durchsetzte, wußte der erfahrene und ältere Sammler natürlich immer schon, was es gerade mit dieser Dauermarke 42 Pf Ziffern auf sich hat: Daß sie in den Preislisten der meisten Versender – und von ihnen gab es schon kurz nach dem Krieg unglaublich viele –  regelmäßig fehlte. Die Versender boten auch da schon meist nur postfrisch an, was zum Beispiel auch für AM Post (Mi.1-35) und die frz. Zone-Marken fatale Folgen haben sollte. Selbst postfrische Sätze wurden unvollständig, also minus die eine, die 42er, gelistet. Den Preis von heute 40 Euro für lose gestempelte Erhaltung erzielte die Marke nicht mehr, aber 8,50 britische Pfund für diesen offensichtlichen Fälschungsschrott (Prüfzeichen) und Sammelschrott (nicht lesbares Stempeljahr, Frage der Echtheit des Stempelabschlages) sind exakt um diesen Betrag zu viel! Sorgsame Sammler werden die lose Marke gestempelt nur BPP-geprüft erwerben! Nicht anders beim Brief. Wer so was heutzutage ungeprüft anbietet, kann alle besten Ausreden haben – es bleiben Ausreden, die ein seriöser Anbieter von vornherein vermeidet! Wer kauft lose oder auf Brief ungeprüft eine 8 oder 80 Pf AM Post, eine 60 Pf sog. „Helle“ Bandaufdruck/Arbeiterserie oder die Ziffern-Währungsüberdruckmarken von 1948? Nur, der dumm ist oder der sich in die Tasche lügen will.

Prüfer Schlegel antwortete bei Mail-Vorlage auch dieser Abbildungen natürlich mit Vorbehalt, auch wenn er den Daumen senkte. Wenn nicht er, wer weiß dann am besten über sein Prüfzeichen Bescheid?                                       Philatelie-Digital 4/2020

 

Auf Stempeldaten achten, Leute!

   Bund, Mi. 159 gestempelt Fft/M


Selbe Marke, die Datumszeile vergrößert: Stempeljahr 1955! 

Normalerweise kein Thema für Philatelie-Digital: das Sammeln loser gestempelter Marken. Aber es steht dem Sammeln von bedarfsgelaufener Briefpost inklusive Ganzsachen am nächsten. Hinzu kommt, daß der Schreiber in diesen Bund-Berlin-DDR-Saarland-Marken, in Sonderheit den nach 1945 erschienenen Sonderpostwertzeichen, moderne Klassiker sieht. Als solche haben sie eine bessere philatelistische Behandlung verdient als das, was landauf landab, vor allem aber auf den Plattformen, mit ihnen im Verkauf geschieht: Daß größtenteils der mieseste Dreck angeboten wird und leider von Billig-Billig-Jägern auch noch gekauft wird. Entsprechend sehen seit vielen Jahren die Gestempelt-Komplett-Sammlungen von Bund, Berlin und DDR aus. Ein Mix aus Stempelakkuratesse bei Billigwerten und Schrott in jeder Hinsicht bei den Katalogspitzen. Doch ist eine gediegene „Gestempeltkultur“  ja auch dem größten Teil des Handels seit Jahrzehnten völlig wurscht, sie wollen nur noch Ware umschlagen. Daß sie auch damit ihr eigenes Grab schaufeln – egal!

Was die Katalogspitzen betrifft, sind selbige selbstredend BPP-ungeprüft – dabei geben die Kataloge mit einer schwarzen Raute einen Gefahrenhinweis! Und selbst wenn man über ein solides Eigenwissen und vor allem ein starkes Maß an Skepsis verfügt, wenn einem also Stücke überaus preiswert ins Angebotsbild donnern, muß auch das der Liebhaber aushalten: Im Datum unlesbare Stempelabschläge, verschmierte Stempel, Zähnungsschrott, der dreist mit „Luxuszähnung“ weggejubelt wird, tückisch besonders gut verlaufende Zähnungsreihen, in denen dann aber ein ganzer Zahn fehlt oder zur Hälfte. Weg damit! Niemand sammelt das, niemand kauft das dereinst an! Und auch niemand verschenkt das an junge Sammler auf sog. Charity-Förder-Veranstaltungen (pervers!).  Selbst klare Beschädigungen wie besagte Einrisse oder Farbabschürfungen oder Knickfalten, die im Onlinebild tatsächlich zu erkennen sind, werden vom Anbieter nicht erwähnt.  Er glaubt sich mit „wie besehen“ oder schelmischer Falschheit à la „Bilder sagen mehr als tausend Worte“ aus der Affäre ziehen zu können. Die Affäre beginnt damit, daß er diesen Dreck überhaupt glaubt anbieten zu können! Würden Anstand (aber bei Polit-Versammlungen der „Anständigen in diesem Lande“ ist man ganz sicher dabei!) und Redlichkeit noch praktizierte Werte „dieser unserer Gesellschaft“ sein, würden Ebay und Delcampe zur Hälfte leergefegt sein von diesem philatelistischen Schund!

Daß sich diese sammlerischen Brechmittel bei ausländischen Anbietern und dabei nicht nur im Angebot von Privatsammlern zeigen, wundert kaum. Daß auch einschlägig seit jeher bekannte deutsche Händler, Privatsammler sowieso, sich nicht entblöden, diese Markenklasse der Anfangsfünfziger mit phantastischen Zähnungsverläufen (geschnittenes Erscheinungsbild der Zähnungsspitzen = Nachzähnung) anzubieten, macht aber auch nicht weniger sprachlos – weil sattsam bekannt!

Und dann gibt es die tückischen Angebote. „Auf Bedarfspost“ kommen sie ebenso vor, doch gewährt selbige mit der  Eigenheit einer Postsendung ein  leichteres Erkennen, weil der Brief, die Karte, die Drucksache, als postalischer Leistungsnachweis insgesamt vom Sammler vor einem Kauf in Augenschein genommen und postgeschichtlich verstanden werden muß! Doch auch schon rein optisch betrachtet ist das Erscheinungsbild eines Stempelabdruckes auf Brief grundsätzlich mehr evident. Tückischer sind dagegen lose Marken, vor allen Dingen, wenn sie ein farbdunkles Bild zeigen wie es schon vor  1945, erst recht aber nach 1945 den meisten Höchstwerten unter den deutschen Marken aller Provenienz eigen ist. Befolgt wurde bekanntlich für viele Jahrzehnte eine alte Weltpostvereinssregel, nach der Blau der Erkennungswert für Auslandsbrieffreimachung ist (Bund/Berlin: 30, 40, 50, 60, 70, 90, 120, 140 Pf).

Womit endlich die Rede auf die oben abgebildete Bund-Wohlfahrtsmarke von 1952 kommen kann. Ihr Erscheinungsbild erlaubt nach dem ersten und zweiten Hinsehen das Güteurteil „Pracht“ oder schlichter, „einwandfrei“. Zähnung vollständig, nicht mal unruhig, Stempelung sauber, keine sonstigen offensichtlichen Beschädigungen. Und doch hat sie einen üblen Haken, den der kanadische Anbieter nicht erkannte oder nicht erkennen noch mitteilen wollte. Deutlich ist das Stempeljahr „55“ zu erkennen. Das sollte schon einen Sammler mit nur wenig „Bund-Wissen“ aufschrecken. Denn natürlich ist die Marke außerhalb ihrer vom Bundespostminister festgelegten Gültigkeitsphase genutzt und gestempelt worden. Was die Gründe dafür im einzelnen auch waren, die Marke ist NICHT sammelfähig. Sie gehört in den Papierkorb!

Alle bis 31.12.1968 erschienenen Bund-/Berlin-Postwertzeichen (mit den bekannten wenigen Ausnahmen, s. Markenkataloge!) waren nur begrenzt postgültig. In den Anfangsfünfzigern waren die Gebrauchszeiten teils sehr gering, für die betreffenden Wohlfahrtsmarken von 1952 (Mi. 156/59)  galt mit 15 Monaten allerdings schon eine damals vergleichsweise lange Gebrauchszeit (1.10.52-31.12.53). Der Grund: Der Verkauf der Zuschlagsmarken stockte, die Marken waren unbeliebt, sogar auch beim Sammler! Doch das hat nichts damit zu tun, daß Marken dieses Zuschlagssatzes 1955 nicht mehr als Portomittel verwendet werden durften. Die Marke wie sie hier zu sehen ist, hätte damals gar nicht zur Entwertung  kommen dürfen. Wie auch immer, HEUTE hat diese Marke in einer ordentlichen Sammlung nichts zu suchen! Auch die verlangten, vergleichsweise „sparsamen“ 25 kanadischen Dollar sind 25 zu viel! Ab in den Müll! (Man wünschte sich manchmal die große „Briefmarkenverbrennung“!).

                                                                                                             Philatelie-Digital 4/2020