IBRA 2021 auf Jahr 2023 verschoben / Messe Sindelfingen 2020 abgesagt

Der Bund Deutscher Philatelisten e.V. teilte am vergangenen 28. Juli auf seiner Homepage diese längst erwarteten unangenehmen Neuigkeiten mit.

Internationale Weltausstellung IBRA 2021 wird verschoben (28. Juli)
(BDPh) Die für Mai 2021 in Essen geplante Briefmarken-Weltausstellung IBRA wird wegen der Corona-Pandemie verschoben. Dies hat der Vorstand des Bundes Deutscher Philatelisten e.V. (BDPh) in einer außerordentlichen Sitzung gemeinsam mit Mitgliedern des IBRA-Kernteams beschlossen. „Wir bedauern das sehr, aber die derzeitige Planungsunsicherheit ist zu groß“, sagte BDPh-Präsident Alfred Schmidt nach der Telefonkonferenz. Vorgesehen wird die IBRA jetzt für das Jahr 2023, die Gespräche mit der Messe in Essen sind dazu bereits angelaufen. Dabei bevorzugt der BDPh einen neuen Termin im Mai 2023.
Alfred Schmidt und BDPh-Generalkommissar Walter Bernatek betonten, dass sich der Verband die Entscheidung nicht leicht gemacht habe: „Leider lässt uns die aktuelle Lage bei Betrachtung aller vorliegenden Fakten und Einschätzungen aber keine andere Wahl.“ Dabei wurden unter anderem die allgemeine Situation der Pandemie, gültige Hygienekonzepte, allgemeine Vorschriften für Veranstaltungen sowie Entwicklungen im weltweiten Flugverkehr bzw. Reisewarnungen und Quarantänevorschriften analysiert und gewichtet.
Der Verband bedankt sich bei den Sponsoren sowie den zahlreichen Förderern, die sich in den vergangenen Monaten mit erheblichen Summen für die IBRA eingebracht haben. Auch hier finden jetzt Gespräche statt, um die weitere Zusammenarbeit abzustimmen und gegebenenfalls in veränderte Verträge münden zu lassen. (…)

In Baden-Württemberg ist zum vergangenen 1. Juli eine neue „Rechtsverordnung über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus“  in Kraft getreten. Der folgende Passus ist für das in dem Bundesland liegende Sindelfingen als dem Veranstaltungsort für die Int. Briefmarkenbörse der entscheidende. Er findet sich in §10, Abs. 3, Pkt 2: „Untersagt sind Veranstaltungen mit über 500 Teilnehmenden bis einschließlich 31. Oktober 2020.“
 In §4 der Hygieneanforderungen heißt es zudem verpflichtend: „eine bestehende Möglichkeit bargeldlosen Bezahlens“. Die überwiegende Form der Bezahlung auf Messen aber läuft über Bargeld. Die Abstandsregel für Besucher und Stände  macht zudem eine sich wirtschaftlich  rechnende Messe unmöglich (Stände bei gegebener Quadratmeterzahl).

Internationale Briefmarken-Börse Sindelfingen 2020 abgesagt
Der BDPh zitiert in seiner Mitteilung aus einem Schreiben der Messe Sindelfingen an die Aussteller. Es heißt dort:

„(…) Wir waren zuversichtlich und fest entschlossen, unsere Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Jetzt treffen die immer noch anhaltenden Folgen der Corona-Pandemie aber auch Deutschlands bedeutendste Briefmarkenmesse.
Wir sehen uns leider gezwungen, die Internationale Briefmarken-Börse Sindelfingen, die für den 22. bis 24. Oktober 2020 geplant war, abzusagen.
Grundsätzlich sind Messen in Baden-Württemberg ja inzwischen wieder möglich – allerdings müssen wir mit gravierenden Auflagen hinsichtlich Abstands-, Hygiene- und sonstiger coronabedingter Regelungen rechnen. Wir haben alle bislang bekannten Gegebenheiten überprüft, eine gründliche Kalkulation vorgenommen und überdies eine Umfrage gestartet, welche Aussteller unter den aktuellen einschränkenden Bedingungen an der Internationalen Briefmarken-Börse 2020 teilnehmen möchten.
Als Ergebnis hat sich leider Folgendes herausgestellt: Zum einen ist es für uns nicht möglich, unsere Internationale Briefmarken-Börse Sindelfingen im gewohnten Rahmen für alle und mit dem gleichen Konzept durchführen zu können. Zum anderen haben viele Aussteller ihre Bedenken geäußert und sich angesichts der einschränkenden Bedingungen aus verschiedenen Gründen gegen eine Teilnahme an unserer Messe entschieden.
Die Messe Sindelfingen sieht sich aufgrund dieser Tatsachen nicht in der Lage, der Internationalen Briefmarken-Börse Sindelfingen in diesem Jahr eine Perspektive zu geben. Wir sind uns der Tragweite dieser Entscheidung bewusst und sehr traurig, dass die Messe in diesem Jahr abgesagt werden muss.
(…) Wir laden Sie bereits jetzt herzlich dazu ein, an unserer Internationalen Briefmarken-Börse Sindelfingen 28. bis 30. Oktober 2021 wieder teilzunehmen. (…)“

Rang 2 Ausstellung in Würzburg abgesagt
„Die Rang 2 Ausstellung ´WÜBA 20`, die vom 11. bis 13. September in Würzburg, Kürnachtalhalle, Werner-von-Siemens-Str. 93, stattfinden sollte, kann aufgrund der Corona-Pandemie nicht durchgeführt werden. Der Verein für Briefmarkenkunde Würzburg von 1880 e.V. bittet um Verständnis.“
                                                                                                              Philatelie-Digital 7-2020

Olympische Sommerspiele 1980 – Fanal ins sportliche Nichts

   DDR-Sportmarke – sie hat es in sich.

Werden die Olympischen Sommerspiele in Japan 2021 überhaupt stattfinden, nachdem sie für dieses Jahr „wegen Corona“ abgesagt werden mußten? Absage? Da kommt es unweigerlich zu Reminiszenzen nach vierzig Jahren.  Denn 1980 gab es  nach einem ersten, aber gescheiterten Versuch 1976 in Montreal (Apartheid-Politik Südafrikas als Streitpunkt) den großen, vom US-Präsidenten Jimmy Carter vorangetriebenen „Knall“. Nicht nur einen. Von 146 nach Moskau geladenen Sportnationen hatten 81 zu- und der Rest abgesagt.

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Deutsches Postwertzeichen – was war, was kommt und was droht

  
Warum kein "Helmut-Kohl"-Block mit Ehefrau Hannelore 2012? Sie war Präsidentin der viel bedeutsameren Stiftung für hirnverletzte Unfallopfer mit Schädel-Hirn-Trauma (ZNS).

Kommentar
von Werner Rittmeier, Philatelie-Digital

Woher https://www.chip.de* weiß, daß „vielen Verbrauchern“ (wie vielen, 25, 100, 1000, 20.000 oder sogar potentiell 41 Millionen – das ist die 2019 festgestellte Zahl der Haushalte in D.) „das Aufkleben von Briefmarken beim Versand von Post ein lästiges Beiwerk“ ist, sollte man besser gar nicht fragen. Wenn Zahlen oder ähnliche Mengenangaben in der deutschen Aktualitätenpresse genannt werden, kann man sie sowieso fast immer vergessen, weil es keine angemessene Recherchengrundlage für sie gibt, weil möglicherweise die Schreiber an ihr auch gar nicht interessiert sind, weil Zahlen gern auch nur abgeschrieben oder – noch schlimmer – schlicht erfunden werden. Jetzt also die Meldung zur jüngsten Post-App für Smartphonebenutzer, die es – tatsächlich – ermöglichen wird, Briefpost per Handporto OHNE bisheriges Aufgeld versenden bzw. bezahlen zu können.

Dieser Blog berichtete über die Neuerung bereits im vergangenen März („Deutsche Post digitalisiert auf breiter Ebene / Marken mit Matrix werden Alltag“).  Die App liefert eine Überarbeitung des bisherigen Handportos, was chip.de jedoch unerwähnt läßt. Die neue Bezahlform wurde 2009 eingeführt, nach einem am 15. August d. J. beginnenden ein Jahr dauernden Pilot.

Natürlich aber muß die Überschrift das eigentliche Aufsehen erregen: „Riesenänderung bei der Deutschen Post: Steht das Ende der Briefmarke bevor?“ Und ebenso knackig-orakelhaft geht es in einer Bildunterzeile weiter: „Die Deutsche Post plant offenbar künftig auf die Briefmarkenpflicht beim Postversand zu verzichten.“ Und schon wieder sind es „viele“. Denn es heißt dann im weiteren: „Die Deutsche Post plant offenbar, dass der Zwang zum Briefmarken-Kleben bei Postversand künftig ad acta gelegt wird, was viele Verbraucher sicher freuen dürfte.“

Ad acta, Briefmarkenpflicht – was für ein Schreib- und Denkmüll. Als wenn der Postbenutzer eine „Seite zu den Akten geben“ könnte, erledigt, Stempel, aus. Aber es ist ja auch alles „offenbar“. Briefmarkenpflicht? Man meint wohl die gute alte, erst recht im aktuellen Postgesetz sowie in den AGB genannte Leistungspflicht des Kunden, bei einem Beförderungsvertrag (Sendungsaufgabe der Briefsendung bei der DP) die vorgelegte Sendung freizumachen. Dabei muß  oder könnte dem Schreiber irgendwie irgendwann etwas von „Freimachungspflicht“ untergekommen sein. Sie war ein wichtiger Bestandteil des Beförderungsvertrages in der alten POSTORDNUNG. Die aber wurde am 1. Juli 1991 durch AGB und damit durch privatrechtliche Rechtsvorschriften ersetzt bzw. abgeschafft. Bis dahin gab es tatsächlich für gewöhnliche (also nicht etwa  eingeschriebene!) Postkarten und Briefe (wie auch Paketen) die Ausnahme vom Zwang: Diese Sendungsarten konnten unfrei aufgegeben werden, die Beförderungsgebühr holte sich die Post beim Empfänger. Nun ja, es lohnt nicht, über diese Art der Fachschreibe noch ein Wort zu verlieren.

Sehr wohl aber ist der Rotzton, wie hier die Briefmarke mit einer in den heutigen Medien üblichen Mischung vom Behauptung und Schlaugerede inklusive viel Raunen in der Orkus toter Vergangenheit befördert wird. Und das erinnert nun stark in diesen Coronazeiten an das erneut aufkommende  Gebelle über die Sinnhaftigkeit von Bargeldnutzung. Wessen „modernistische“ Erfüllungsgehilfen diese Leute sein mögen, bei Bargeld weiß man, woher die ganze Suppe kommt bzw. ihren Ursprung hat: in den unablässig, mittlerweile auch in der Buntpresse erklingenden Schalmeien der  Oneworld-Economy -Prediger, die bis in die politische Linke und in die weltweit agierenden Grünen mit allen ihren NGO´s reichen, den Machern und Adapten aus dem internationalen Finanz- und Anlagekapital, in Europa sind es die Chargen der EZB, wofür bisher ein Name stand: Draghi und seine Jünger aus der US-Finanz- und Anlage-Bankkrake  Goldman Sachs.

In dem erwähnten Artikel im vergangenen März wurde das Thema „Briefmarken als postalisches Bezahlmittel“ schon erörtert. Der neueste Stand ist nach seriösen Quellen, die der Autor nicht nennt, in etwa dieser:

Die Post AG in Bonn ist nicht mehr gewillt, neuerdings und erstmals bezifferte 70 Mio. Euro Verlust jährlich in der Portoentrichtung hinzunehmen. Die von ihr zusammen mit dem Berliner Herausgeber BMF in dem üblichen Verfahren jährlich zur offiziellen Ausgabe gebrachten Sonderpostwertzeichen und unter Eigenregie ausgegebenen Dauermarken (derzeit Serie „Blumen“ und ATM „Briefe schreiben / empfangen“)  mit der nationalen Herkunftsangabe „Deutschland“ sind in ihren Augen ein störendes Betriebsmittel, auf das man verzichten kann. Es sind auf Papier gedruckte Briefmarken. Die Post hat auch „eigene“, auf Papier gedruckte Briefmarken (Marke Individuell, Internetmarke, u.ä. online produzierte Label wie diesen Test-Matrix-Schmonzes, vom Michel genannt ATM 10) – aber die werden nicht gefälscht, bei denen gibt es keinen Portoklau, jedenfalls in keinem dem Schreiber nennenswert bekannten Umfang. Überdies sind Internetmarken (2008 eingeführt) seit einigen Jahren nur noch jeweils befristet gültig – was bei deutschen Postwertzeichen des Herausgebers Bundesfinanzminister nicht der Fall ist – dessen Marken sind unbegrenzt postgültig.

Die Entgeltesicherung hat im Bonner Postriesen einen schweren Stand, die Philatelieabteilung erst recht. Warum? Erstere kann nicht reinholen, was durch Briefmarkendiebstahl, Ganzfälschungen, Stempelentfernungen  in Hausfrauenarbeit und Wiederverwendung umgestempelt gebliebener postgültiger Euro-Marken (man erinnere sich hier an das selten dämliche, vor allem aber verlogene BGH-Urteil von 2005 zu den vermeintlichen Risiken der DM-Marken!!!) verlorengeht. Die Philatelie-Abteilung kämpft mit wegbrechenden Umsätzen. Ihre „Kartonphilatelie“, seitenlang seit Jahren in den Vorratslisten präsent, richtete sich einstmals an kauffreudige Philatelisten, die noch den Sinn für Extras im Anblick ihrer Ländersammlung hatten. Diese Sammler aber sterben weg. Zu viele Erben schlagen sich mit nicht sammelfähigen, aber so viel „Sammelfreude“ versprechenden Schmonzes-Doku-Massen in Zentnergewicht herum, die keiner mehr will, die eigentlich niemand wollte. Money, Money, Money / Must be funny / In the rich man’s world…  Der gern so apostrophierte Gelegenheitskäufer mit Vorliebe für dieses und jene Markenmotiv, der „modern“ sammelt, nicht länderweise, nicht nach Katalognummern, der kauft nicht in den einst gewohnten Mengen. Er ist dieser philatelistische Konsument, der zwar gern in der Werbung gehätschelt wird, der aber nicht die „Kohle“ hat wie einst die  traditionellen und heute älter gewordenen und vielleicht sogar auch philatelistisch reifer gewordenen Sammler-Generationen.

Aber der Schreiber will nicht abschweifen (obwohl diese Aussage nicht wirklich zutrifft). Also weiter: Der weitere Vertrieb der Markenneuheiten Deutschlands durch die Deutsche Post AG über 2021 hinaus soll vertraglich inzwischen in trockenen Tüchern sein. Das, so sagt man, ist auch das einzige, wo sich Bonner Post AG und BMF noch einig sind. Ansonsten kracht es riesig im Gebälk. Die Post will nicht mehr. Sie könnte mit elektronischen Labeln (PC!) und denen am Schaltern (Digitallabel) leben. Sie will auch diesen besonders für sie kostenträchtigen „Ballast“ aus Zuschlagsmarken (Wohlfahrt, Jugend, Sport, TdB) nicht mehr schultern, der ohnehin das Ausgabeprogramm motivlich einseitig präge. Andererseits seien „Harry Potter“-Marken – nur ein Beispiel – bedauerlicherweise nicht möglich.

Hier nun kann der Schreiber über offensichtliche Verkäufer-Naivität philatelistischer Debütanten in Bonn allerdings nur lachen: Der „Dinosaurier“-Block 2008 (Rechtsprobleme) oder der Gemeinschaftsblock mit Spanien 2001 (Frankierungsprobleme) mit ihrer populären (populistischen!) Stoßrichtung (Verkaufsziele) zeigten an, daß alles „Internationale“ schnell vermintes Gelände sein kann. Und die inzwischen irre politische Moraldiskussion in allen gesellschaftlichen Bereichen „in diesem unserem Merkellande“  wartet nur auf neue Störfälle! Und das dann in diesem politischen  „Regierungsberlin“ mit seinen unterschiedlichsten Akteuren?

Der Kunst-Polit-Erlebnis-Durchwurschtel-Raum verkraftet in Sachen Petitessen (sic! Postwertzeichen)  doch nur noch politische Schaumschlägerei  wie die, daß ein „Helmut-Schmidt“- Gedenkblock in Deutschland NUR bei der Versandstelle erhältlich war! Und daß seine Ehefrau nur deshalb auf die Sondermarke kam, weil man noch eine motivliche Ausstattung einer 45-c-Post-kartenmarke benötigte und zeitgeistig den „lyrischen“ Ausweg in ihren – unbestreitbaren – Verdiensten für ihre naturnahe Stiftung fand. Nur wenn schon – und gar nicht wertend gemeint – populistisch: Könnte man sich einen Helmut-Schmidt-Block (Mi. 89; E: 1.3.2019) mit diesem gedruckten Motto vorstellen, Zitat aus einem Interview mit dem dem linksliberalen „Tagesspiegel“ in Berlin?

Ein deutsches Postwertzeichen, das vor 1995 in einem „Mitteilungsblatt“ (des Bundespostministers) und davor im „Amtsblatt“ (des Bundespostministeriums) veröffentlicht worden wäre, auch bildlich(!), war 2019 nur extrem eingeschränkt erhältlich! Wie das? Weil man in Bonn wußte, daß es die philatelistische Öffentlichkeit von einst nicht mehr gibt, dafür nur noch eine kaufende Herde von Willigen, die sich folglich nicht mehr und zu Recht fürchterlich aufgeregt und mit vielen Schreiben nach Bonn ihren Protest bekundet hätte? Wo Bundestagsabgeordnete bei „Anfragen“ im Parlament  – wie einst in Zeiten von Lämmer (CDU), Stücklen (CSU), Leber (SPD)  oder Gescheide (SPD) – den Bundespostminister eindringlich, in sachlicher, in heute unüblicher gebildeter Form, aber vielleicht auch enervierend zur Rede gestellt hätten? Alles das, was es heute nicht mehr gibt in diesem Regierungsberlin des Merkelschen Durchstechens!

Briefmarken – bitte, worüber reden Sie denn, wie unwichtig ist das denn! Mann! Diese Hanseln von Sammlern, und erst diese Wichtigtuer aus den Verbänden, bitte! Marke als Kulturträger, na ja, das ist doch klar! Markenausstellungen von diesen Exoten? Gerne, die Presse „vor Ort“ kann darüber schreiben, auf dem Pressefoto muß ich aber mit drauf sein, grinsend, jovial. Genau, das ist doch gelebte, soziale Wirklichkeit, Engagement, Teilhabe, super!

Der Schreiber kommt zum Ende in diesem unerquicklichen Realitätskarussell. Das BMF wird (Konjunktiv!) auf seinen Motiven beharren, schließlich sind die gesellschaftlich relevanten Kreise, aus deren Reihen die Motivvorschläge für ein Jahresprogramm entscheidend kommen, nicht zu ignorieren. In Maßen vollkommen richtig. Die unter den gegenwärtigen Verhältnissen nationalkulturelle Selbstdarstellung / Selbstvergewisserung  auf dem postalischen Bildträger „Postwertzeichen“ muß erhalten bleiben. An diesem Anspruch kann auch ein „Vielfalts“-Propagandist wie Postchef Appel nicht vorbei. Also wird man in Bonn den Berlinern die Kröte „Marke mit maschinenlesbarem DataMatrix-Code“  (kurz „DMC“,  2D CodeMatrix“)  vorschlagen und davon nicht abrücken. Die Stempelung dieser Marken in den Briefzentren ist aufgrund der in der Matrix enthaltenen Information nicht mehr nötig. Seltsam, daß trotzdem über eine Stempelung nachgedacht wird. Doch die wird nicht mehr in schwarzer Farbe erfolgen, sondern wegen Fälschungssicherheitsaspekte in Rot oder ähnlichem. Der kreisrunde schwarze Poststempel ist dann passé. Man kann sich nur vorstellen, daß, sollte es weiterhin Sonder- und Hand-/ Maschinen-Werbedauerstempel geben, daß es auch sie „für philatelistische Zwecke“ nicht in schwarzer Farbe geben wird. Damit wäre alles Gestempelte künftig sammlerisch Müll. Sprich: Das Sammeln gestempelter Marken der für 2022 unter der gegenwärtigen Diskussion als ziemlich sicher geltenden Matrix-Bund-Neuheiten wäre endgültig Geschichte. Was käme, wären mit Sicherheit Verkaufsprodukte der Post. Wie die aussehen werden, kann  sich jeder mit wachem Verstand ausmalen.

Aktuelle Marken-Philatelie ab 2022 ist unter diesen Zeichen – postfrisch, gestempelt – folglich nur noch was für Harte (wie das Älterwerden). Der Sinn für das Posthistorische und dessen Implantierung via Heimatphilatelie in regionales Denken und damit Sammlerdenken wird darum die Zukunftsaufgabe der organisierten deutschen Philatelie sein. Erkennt sie die Aufgabe nicht, ist ein Ende noch in der augenblicklich lebenden älteren Generation gewiß. Die bisherige Organisationsstruktur in Bezug auf Wissensimplantierung und aktiver Teilhabe muß angesichts der kommenden Realität von „Bund“ überdacht werden. Das können nur Junge und Junggebliebene von den bisherigen Organisationen des BDPH schultern. Von außen wird nichts kommen, was dauerhaft wäre. Spezialblogs selbst  wie dieser, der inhaltlich breit angelegt ist, können diese große Aufgabe nicht im geringsten schultern – aber mit ihren Möglichkeiten zu unterstützen versuchen.

Der Kommerz lebt auch ohne – ernsthaft betriebene – Philatelie. Er könnte in Zukunft sogar auf bisher übliche Usurpationen aller Art via Sammelprodukte, Stempelorgien auf Messen, etc. verzichten, weil nur noch alles über „Versand“ geht. Wird er aber nicht, da es auch weiterhin genügend Sammler geben wird, die gleich Lemmingen sich von überlebten Verkaufsanreizen überreden lassen. Doch der philatelistische Kommerz schwächelt, er verliert seine angestammte Domäne. ETB, „Ministerkarten“  und  ähnliches aus der sog. „Kartonphilatelie“ dienen heute – zu Recht – nur noch als Verstärkungsunterlagen in philatelistischen Warenlieferungen. Werthaltigkeit perdue, Papiermüll.

Es ist daher Zeit, selbstbewußt im Verband zu agieren, sofern es um ureigene Aufgaben geht, die allerdings das Allgemeine berühren. Der gern so apostrophierte „Spaß an der Philatelie“ wird in Zukunft sehr viel weniger ohne etablierte und damit konkurrierende philatelistische Anschauungen auskommen können. Es gilt mehr denn je, was wirklichen philahistorisch-dokumentarischen Wert besitzt.  Was vor allem deutsche Geschichte lebendig macht und bezeugt. Und davon gibt es viel.

Spaß vom künftigen  „Produktframing“ der Post via Weiden, so sich die Versandstelle überhaupt noch in ihren traditionellen Formen zu erkennen gibt – Messeteilnahmen, Vorratslisten/Kauf, Philatelieshops, Erlebnisteams –  kann man bei dauerhaft  schwieriger Ertragslage vergessen, konnte man auch bisher schon. Darum:  Spaß wird ohne das Verstehen und des Mobilisierens des Woher der Philatelie nicht möglich sein. Das Woher – das ist die Postgeschichte, in Englisch „postal history“, in Französisch „histoire postale“, in Italienisch „historia postale“, in Spanisch „historia postal“. Sie wird mehr denn je die weltumspannende philatelistische Beschäftigung der Zukunft sein.
(Änderungen im Text: 30.7.2020)

* „Riesenänderung bei der Deutschen Post: Steht das Ende Briefmarke bevor?“ (27.7.2020)
                                                                                                            Philatelie-Digital 7-2007

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Deutsches Postwertzeichen – was war, was kommt und was droht

Mehrwertsteuer 1.7.2020: Post senkt Preise tröpfchenweise

   Foto mit Dynamik: Welcher? Quelle: Post

Im Regierungsberlin imaginiert man anläßlich der „Corona-Krise“ die Notwendigkeit einer ganz besonderen Konjunktur“ankurbelung“. Zu diesem – politischen – Zweck  sinkt die Mehrwertsteuer vom kommenden 1. Juli bis Jahresende von 19 auf 16 %, der ermäßigte Satz von 7 auf 5 %. Wie Discounter, die mit entsprechenden Preissenkungen via Werbelockrufen vor allem den nachlassenden Boom aus drei sehr gewinnträchtigen „Corona-Monaten“ wettmachen wollen, gibt auch die Post, wie sie im Werbeslang verlauten läßt, die „Senkung selbstverständlich“ an die Kunden „weiter“.

Doch es ist viel Lärm um fast nichts. Plusbrief-10er-Sets (Briefnominale 80 c)  kosten für ein halbes Jahr lang 6 Cent weniger, statt 9,90 Euro nun 9,84 Euro. Für die zwei Optionen der Anschriftenprüfung werden jetzt 2 Cent bzw. 3 Cent weniger verlangt. Neuer Preis für die Nachnahme National ist jetzt 4,29 Euro (4,40 €), der für die internationale Versendung  8,12 Euro (8,33 €). Auch sämtliche DHL-Express-Entgelte sinken leicht. In Medien wurden auch Preissenkungen bei der Dialogpost gemeldet. Das ist jedoch falsch. Hier gilt weiterhin der Stand vom 1.1. bzw. 1.5.2020.

Sämtliche Entgelte der (MWSt-befreiten)  Universaldienstleistungsprodukte aber bleiben unverändert. Und was die Kritik von BVerWG und Bundesnetzagentur an den bisherigen Preisen betrifft, lehnte Postchef Appel schon vor einer Woche alle Änderungswünsche ab. Begründen mußte er das nicht, bei der fraglichen Presserunde fragte keiner nach. Etwa was die laufende Klage des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik (BIEK) beim Verwaltungsgericht in Köln betrifft.
                                                                                                             Philatelie-Digital 6/2020

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Nachträge: Entgeltehefte 1.1.2019 und 1.5.2020

           

Zum vergangenen 1. Mai mit seinen Preisänderungen hat die Post nicht nur ein (gedrucktes) Faltblatt, sondern ein ganzes Heft mit 116 Seiten Umfang produziert, jedoch, wie es scheint, nur in einer Online-Version. Philatelie-Digital stellt natürlich auch diese Fassung kostenlos und ohne Zugangsprobleme für ein Herunterladen des PDF-Dokumentes bereit.

Überraschend für den Bearbeiter nun, daß auch vom Stichtag 1. Januar 2019 eine ebensolche Ganzversion existiert. Auch sie wurde dem Schreiber von der Pressestelle in Bonn zur Verfügung gestellt. Von Mannheim ein dickes Dankeschön an die Pressestelle im Posttower!

Zum 1. Januar 2019 änderte sich  wie schon zum 1. Juli 2018 wenn überhaupt etwas dann im Frachtsektor. Als markante Änderungen von jenem Juli bleiben in Erinnerung die Entgelte-Anhebungen bei der „Büchersendungen“ und im Frachtbereich die Korrekturen bei den Päckchenmaßen sowie der Wegfall des Rückscheins bei Paketen-Inland.

Aber zum 1. Januar 2019. Hier  kam es zur Erhöhung beim wohl am meisten genutzten Paket-National bis 5 kg (7,49 € statt 6,99 €) und der erstmaligen Umsatzsteuerbelastung für die Rollenservicemarke (1,79 € statt 1,50 €). Auf anderen Plattformen zu lesende Änderungen bei der Warenpost und Buch-International sind komplett falsch, mal davon abgesehen, daß diese Sendungsformen mit ihrer Online-Frankierung  (Internetmarke) für den allein an Briefmarkenfrankaturen interessierten Bedarfspostsammler ausscheiden. Weitere Details aufzuspüren sei dem Leser überlassen. Daß Philatelie-Digital auch diese Version vom 1.1.2019 als PDF-Dokument zur Verfügung stellt, ist allein der Chronistenpflicht geschuldet und dem Interesse jener, die „Postgebührenhefte“ sammeln. Daß es diese in den letzten Jahren auch schon mal nur als Onlineversion gibt, ist der Zug der Zeit! ––

PDF-Dokumente bitte herunterladen: Leistungen und Preise 1.1.2019 und Leistungen und Preise 1.5.2020
                                                                                                               Philatelie-Digital 6/2020

Neues Porto nicht unwahrscheinlich

Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom vergangenen 28. Mai (Philatelie Digital berichtete) erhält die Bonner Postzentrale jetzt erneut einen blauen Brief. Diesmal kommt er von der Bundesnetzagentur (Auf den Webseiten von Post und Agentur war am 17.6. noch kein Eintrag zu finden!) .
Einem Bericht des „Spiegel“ vom 14. Juni zufolge hält die Bundesnetzagentur nach eigener Einschätzung und als Ergebnis der Leipziger Urteils die aktuellen Briefpostentgelte für rechtswidrig. Es geht also nicht um die seit 2016 als rechtswidrig erkannten Briefpreise, für die der Postkunde ohnehin keine Erstattung verlangen könnte. Sondern es geht um die Preise vom 1. Juli 2019. Seit fast einem Jahr kostet der Standardbrief 80 Cent, im Tarif davor waren es 70 Cent. Dieses erhöhte Entgelt ist nun möglicherweise nicht nur rechtswidrig, sondern könnte der Bundesnetzagentur Anlaß sein, die seinerzeitige Erlaubnis einer Erhöhung dieses und vielleicht auch noch anderer Briefentgelte zurückzuziehen.

Philatelie-Digital meint: Ein solches Rein und Raus aus den Kartoffeln bei der Post wäre keine Überraschung  mehr: Erst die verunglückte Erhöhung bei den Bücher-/Warensendungen, dann das 5-Monats-Debakel beim Inlandspäckchen, dann diese von der Merkel-Regierung via Wirtschaftsminister durchgesetzte neue Postentgeltregulierungsverordnung. Nach ihr sind nicht mehr die Gewinne der Post und ein Warenkorb Grundlagen für die Preisfindung, sondern erstmals die Gewinnmargen ausländischer Postunternehmen. Diese Berechnungsgrundlage, so Leipzig, sei nicht mehr durch das Postgesetz gedeckt.  Was für eine Klatsche für die Regierung in Berlin. Der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK), der wegen des Verdachts der Querfinanzierung von Gelbe-Post-Paket (DHL) gegen die Erhöh-ungen 2016 geklagt hatte, klagt dem „Spiegel“-Bericht nach vor dem Verwaltungs-gericht Köln auch gegen die Briefpreiserhöhung vom 1. Juli 2019. Da darf man gespannt sein, wie das ausgeht! ––
                                                                                                               Philatelie-Digital 6/2020

Entgelte-Faltblatt vom 1.5.2020 macht´s schriftlich

  Für einige Frachtpreise ab Mai Marsch zurück!

  Päckchen vom 30.4.2020.

Philatelie-Digital berichtete über die stark kritisierten Frachtpreise vom 1. Januar d.J. ausführlich. Jetzt hat die Post ein Preisverzeichnis neu aufgelegt (Stand: 1.5.20, kostenlose Abgabe). Korrigiert wurden die nationalen Entgelte für Päckchen M und Pakete bis 10 kg und bis 31,5 kg.

Das Normalpäckchen kostet statt 4,79 € nun wieder 4,50 €, das Paket bis 10 kg 9,49 € (– 1€), die Sendung bis 31,5 kg 16,49 € (–2€!). Eine Briefmarke zwecks Päckchenfreimachung zu 4,79 € erschien nicht. In den vier Monaten mußte, wer mit Briefmarken freimachen wollte, umständlich mit Nennwerten stückeln (s. Abb.). Seit dem 1. Mai kann wieder die „Blumen“-Dauermarke zu 450 Cent zum Einsatz kommen.                                                                           Philatelie 6/2020

Kracher: Portoerhöhung von 2016 nicht Rechtens!

  So macht Freimachung der Privaten Sinn!

Zusammenhänge, Fakten, Ungereimtes und wie immer ist die Moral im Spiel!
                                                                                                         Philatelie-Digital 5-2020

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Die Lufthansa – deutsches Fernweh

   Quelle: a_ oxford_philately ebay.
Nicht portorichtig, tut hier aber nichts zur Sache! Ein wunderbares zeitgeschichtliches Sammelstück! Seinen Postabgang erlebte es 1927 im „Berlin-Zentralflughafen“. Apropos Berlin, ging in diesen Wochen fast unter: Der „Willy-Brandt-Flughafen“ (Baubeginn 2006) wird nun nach eigentlich geplantem Beginn 2011 jetzt, 2020, fertig. Im Oktober!

„Corona“, je länger „es“ (Kanzlerin Merkel!) uns „beschäftigt“,  beschert immer mehr und immer quälender Reminiszenzen, im Alltag, in den Köpfen, im Bauch. Was dabei herauskommt, kennt inzwischen sicherlich jeder. Das Banale wird zum Traum – mit allen „Zutaten“:  Man möchte all dem täglichen Irrsinn den Rücken kehren, einfach weglaufen, den täglichen kleinen und großen Albtraum hinter sich lassenTräume sind Schäume? Nie waren Träume näher und drängender. Vom Besserem, von dem „Davor“, vom  Einst. Was wunder, daß sich des Menschen einst uralter Wunsch – das Fliegen – vehement als Vehikel in diesen Zeiten in der Vordergrund drängt. Ungeachtet der Tagesmeldungen, daß derzeit in der Welt „vor Corona“ gestrandete Deutsche glücklich sind, dem drastischen Lockdown ihrer Reiseländer entfliehen und heimfliegen zu können, bleibt das Fliegen als Fluchtbewegung. Nicht auszuschließen, daß selbst der 2-Stunden-Mallorca-Flugurlauber jetzt in der Lage wäre, sein „Billig-Billig“ zu transzendieren – für einen Moment wenigstens.

Doch der  „Escape“ vom Alltag wurde in diesen vergangenen drei Monaten längst zur harten Landung, die  Fahrbahnen dienen inzwischen stolzen Flugzeugflotten nurmehr als Parkplätze – überall auf der Welt.  Was für Zeiten damals, in den 10er und 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts,  als sich metallene Vögel mit brummenden Propellern hoffnungsvoll von ihren wagemutigen Lenkern in die Lüfte erhoben, als  Flucht und Eroberung eins waren, als als aus dem Fliegen das Himmelreich auf Erden wurde! Eines, das  bald schon, wie die Luft-Hansa 1927 warb, für den Reisenden „bequem, schnell, sicher und billig“  war!

2019 war für Deutschland, und damit auch für seine wache, mit der Zeit gehende Philatelie  ein wunderbares Jahr der Erinnerungen an die Fluganfänge (Philatelie Digital meldete im Januar d.J.). Auf ein Jahrhundert stolzester menschlicher Errungenschaften konnte vor einem Jahr zurückgeblickt werden. 2020, ein Jahr später, ist der Luftverkehr wie tot. Abendliche Fernsehbilder zeigen die ganze unglaubliche Tristesse. Die irre Anti-Kampagne der sog. „Klimaretter“ trat aus heutiger Sicht wie ein Vorbote auf.  Heute befindet sich die noch vor kurzem prosperierende Deutsche Lufthansa im wirtschaftlichen Krisentaumel.

Träume müssen dennoch nicht immer Schäume sein. Schon gar nicht für postgeschichtlich grundierte Philatelisten.  Warum? Sie sind es, die in ihren thematischen Sammlungen die Realität wachhalten! ––      Philatelie-Digital 5/2020